Wenn man den Bildkreis findet

Es ist unfreiwillig passiert, aber ich habe bisher auch noch nie selbst auf Planfilm belichtet. Somit hab ich gleich soweit geshiftet, dass ich den Bildkreis mitbelichtet habe. Schande über mein Haupt, weiß ich doch in der Theorie wie ich das hätte kontrollieren können! Da hab ich mich zu sehr auf das Sofortbild verlassen, welches jedoch viel weniger vom Bild zeigt als der Planfilm. Aber ich war wohl wieder ein bisschen huddelig……. die Entschleunigung der analogen Fotografie ist noch nicht komplett in mich übergegangen.

Jedoch bin ich trotzdem ein ganz kleines bisschen stolz endlich mal die Entwicklung von Planfilm (in der Schale) angegangen zu sein. Für mich ist und bleibt die analoge Fotografie einfach ein kleines bisschen Zauberei. Ich glaube nie das da auch wirklich ein brauchbares Bild rauskommt. Wenn in meinem Kopf endlich mal angekommen ist, dass das trotz Zauberei kein Hexenwerk ist, dann gibt es hoffentlich bald mehr von der Sinar auf Planfilm. Es ist ja nicht so, als fotografiere ich zum ersten Mal mit ihr. Aber in der Schule hatten wir sie im Studio mit Digitalrückteil und auf der Arbeit mit der Rollfilm-Kassette. Das ist doch durchaus ein Unterschied und alleine war ich auch so gut wie nie in der freien Wildnis. Der erste Schritt ist gemacht und vielleicht wird der Bildkreis einfach mein Markenzeichen!

🙂

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Leitz-Park, Wetzlar

Meine bisher ersten und einzigsten 4×5″ Negative. Mangels Scanner einfach quick’n‘ dirty vom Leuchtpult mit einer einfachen Digiknipse abfotografiert und als Positiv umgewandelt. Achtung, schlechte Qualität!

vom nicht-fotografieren

„Wann drückst du auf den Auslöser?“
„Manchmal gar nicht. Wenn mir ein Moment gefällt, ich meine mir persönlich, dann will ich nicht das mich die Kamera irgendwie ablenkt. Dann will ich einfach nur darin verweilen“

aus: „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“


 

Folgender Sachverhalt ist wohl jedem bekannt und wird auch immer sehr stark betont wenn es um die Vorteile und Gründe der analogen Fotografie geht: Analog fotografiert man weniger, bewusster. Ja klar, wusste man schon, es liegt ja auf der Hand. Meine Ausbeute ist immer sehr geringt, da ich meine Kamera nur sehr selten dabei habe. Wie ich bestimmt schonmal betont habe ist die Fotografie für mich meist nicht das festhalten von Momenten und dem Leben, sondern eine ganz bewusste Motivsuche. Da ich darauf nicht immer lust habe, wird halt mal wochenlang kein Foto gemacht und stattdessen gelebt. Ohne Gerät zwischen mir und den Menschen, Natur und Städten.

 

Bei meiner Tour in der Schweiz hatte ich zwar meine Kamera(s) dabei, doch ich habe in 5 Tagen nur drei Filme sowie 3 Polaroids gemacht. Und das lag nicht an den Motiven, die gab es zahlreich. Gerade Bern und Lausanne waren wirklich sehr schön, doch für mich gab es dort kaum bis gar keine Motive. Jedoch habe ich die Städte genossen und saß auch einfach mal eine Stunde am See und hab einfach nur geschaut. Meine Bilder sind im Kopf, die brauch ich nicht auf dem Rechner oder auf Papier!

 

Das dachte ich auf jeden Fall. Als ich an einem Tag in Zürich und Winterthur war, nahm ich die Digitalknipse meiner Eltern mit um mir in der Fotobibliothek die interessanten Buchseiten abfotografieren zu können (geht einfach schneller als scannen). Meine analogen Kameras waren Zuhause und irgendwie bin ein bisschen in das Muster gerutscht, welches ich selbst nicht mag: Ich habe Erinnerungsfotos gemacht! Zwar waren es nur so ca. 7, aber das ist mehr als ein halber Rollfilm! Ach du Schreck, da hatte ich mich nicht im Griff! Wobei, ist das so schlimm?

Ich weiß es nicht und bestimmt bin ich einfach nur zu verkopft, doch wenn ich reflektiere wieso ich die Bilder gemacht habe, dann wird mir klar das ich Eindrücke von der Stadt zeigen wollte. „Ich-war-hier, guck……das ist der Beweis“. Aber wieso brauche ich einen Beweis? Reichen mir nicht Worte aus von dem Stadtspaziergang zu erzählen? Oder weiß ich das automatisch nach Bildern geschfragt wird? Normal ist mir das sowas von egal und bis jetzt hat auch noch keiner nach Bildern gefragt.

Ein paar Tage vor meinem „digitalen Ausrutscher“ (das ist wirklich nicht allzu ernst gemeint, wobei ich durchaus meine Prinzipien habe) bin ich den Goldenpass von Montreux über Interlaken nach Luzern gefahren. Es waren 5 sehr schöne Stunden in welchen ich aus dem gucken nicht mehr herauskam. Da drehte sich mein Hals….rechts, links und nach hinten. Die Landschaft war sehr schön und ich saß im Zug und wollte einfach nur gucken und genießen. Nun ja, mit dem genießen war nicht besonders viel. Die verschiedensten Töne von Auslösegeräuschen lösten in mir durchaus ein gribbeln aus, welches nie etwas gutes bedeutet. Ich will doch einfach in Ruhe gucken! Wieso müsst ihr non-stop fotografieren, die Bilder anschauen, merken das sie nichts geworden sind und dann nochmal und nochmal versuchen?

Verpasst man dann nicht so viel von der Schönheit, welche da gerade an einem vorbeizieht? Dieser Stress um schöne Fotos aus dem Zug heraus einzufangen….und darüber vergessen das genau da, hier draußen, das Schöne ist? Ich werde es wohl nie ganz verstehen. Leider sah es mein Zeitplan nicht vor, die Natur ohne eine Glasscheibe vor der Nase zu erleben. Aber ich werde wieder hin fahren und das ohne die Schönheit fotografisch festhalten zu wollen. Jawohl.

 

P.S. Jaja und dann ein Selbstportrait (in Bern) machen. 😀

Blogpause

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Ich verabschiede mich hiermit bis Anfang/Mitte Oktober. Das Leben und meine Projekte haben mich fest im Griff. In der nächsten Zeit werde ich viel „janalog“ unterwegs sein. Die nächste Tour wird mich somit nächste Woche in die Schweiz führen, bevor es wieder kreuz und quer durch Deutschland geht. Zudem muss ich mich mal wieder mehrere Tage in der Dunkelkammer einschließen um meine Bilder fertig zu bekommen, welche ich Anfang Oktober bei der Werks- präsentation auf dem fineartforum in Paderborn zeigen möchte. Auch sind meine Bilder für die diesjährige VFDKV-Ausstellung in Wien noch nicht durch den Entwickler gezogen.

Zudem ist es an der Zeit ein fettes DANKE an diejenigen auszusprechen, welche meine Zeit gerade so bereichern. Habe dieses Jahr so viel über die analoge Fotografie gelernt und durfte auf diversen Treffen tolle Menschen kennenlernen. Das beste daran ist, dass es in den nächsten Wochen genauso weiter geht.

Gruß Jana

Zwei Jahre

!! Achtung, folgende Zeilen können ein bisschen das übliche „Blabla“ beinhalten, welches man zur analogen Fotografie öfters hört. Aber irgendwie ist es an der Zeit ein paar Worte zu meinem kleinen Projekt zu äußern !!

Vor etwas mehr als zwei Jahren trennte ich mich komplett von meiner digitalen Kameraausrüstung. Von vielen wurde ich belächelt und von anderen gab es nur ein Kopfschütteln. Wieso gleich alles verkaufen? Was ist, wenn ich doch wieder eine digitale Kamera haben möchte? Dann müsste ich doch sooooo viel mehr Geld in die Hand nehmen um mir wieder alles zu beschaffen. Dieser Verlust!
Doch ehrlich gesagt war mir das ziemlich egal, da ich das Gefühl hatte es einfach tun zu müssen. Dieser konsequente Schritt war notwendig um mich voll und ganz auf das Projekt einzulassen. Nicht einmal eine kleine digitale Knipse oder Handykamera befindet sich in meinem Besitz. Lediglich die Webcam meines Laptops könnte in geringer Qualität digital aufzeichnen, wird aber nicht (mehr) genutzt.

Mein Fazit nach dieser Zeit ist sehr positiv. Ich habe, gerade in den letzten Monaten, so viel dazugelernt und tolle analog fotografierende Menschen kennen lernen dürfen. Zwar hab ich das ein oder andere Mal eine Digitalkamera gebraucht um Verkaufsfotos für das Internet zu machen, doch da fast jeder eine besitzt ist das wirklich kein Problem zu organisieren.
Ich kann und will nicht sagen, dass ich nie mehr eine digitale Kamera haben möchte, doch im Moment bin ich ziemlich glücklich mit dieser Lösung. Die analoge Fotografie bietet mir so viel Spielraum um mich mit meinen Händen zu betätigen und haptisch erfahrbare Arbeiten herzustellen. Auch wenn es manchmal überhaupt nicht klappt und ich mir die Digitalfotografie zurückwünsche, bei welcher ich mich in der Verarbeitung besser auskenne. Zum Beispiel sind mir Barytabzüge ziemlich unsympatisch, da es noch nicht klappt wie ich möchte. Aber da muss ich einfach durch……oder lasse es.

Zwar fotografiere ich deutlich weniger und habe sehr selten meine Kamera dabei, doch das stört mich nicht besonders. Somit mache ich eher zwei Bilder „zu wenig“ als ein Bild zuviel. Auch ist die Fotografie für mich etwas geworden, was nicht in den Alltag gehört. Eine Distanz zum allgegenwärtigen Bilderalltag vieler Menschen. Man kann jedoch nicht sagen, dass ich immer gezielt fotografieren gehe. Doch ich trenne durchaus leben und fotografieren, was aber nicht für die Weiterverarbeitung und Beschäftigung mit derThematik gilt. Diese sind immer präsent und nehmen mehr Zeit ein als das Fotografieren an sich.

Im Moment sieht es auch nicht danach aus, als würde mir die analoge Fotografie langweilig werden. Dafür gibt es einfach noch so viel zu lernen und entdecken. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftige, desto mehr Projekte und Ideen kommen mir in den Sinn. Inzwischen werden diese immer interdisziplinärer und gehen über das reine Abbilden hinaus.

Handarbeit

Vor einigen Wochen habe ich im Rahmen eines Seminars meinen ersten Linoldruck gemacht. Es war schön außerhalb der Dunkelkammer mal wieder richtig mit den Händen zu arbeiten. Ausgehend von einem schon etwas älteren Digitalfoto von mir habe ich nun diesen Druck angefertigt. Es sollen auch noch weitere Drucke meiner Fotovorlagen entstehen. Aber das wird wahrscheinlich eher eine Aufgabe für die langen Winterabende.

 

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