Vom Zeigen

Ich arbeite gerade an einem sehr persönlichen und privaten Projekt, von welchem ich ziemlich sicher weiß, dass ich es nie veröffentlichen werden kann – egal in welcher Form. Es soll ein Buch werden, aber eine Veröffentlichung würde zu vielen Menschen auf die Füße treten. Das möchte ich aktuell nicht.

In einer Zeit, in welcher man in den Sozialen Medien so vieles zeigt und teilt, fühlt sich das ziemlich seltsam an. Jedoch lerne ich durch diese Arbeit und Herangehensweise gerade einiges. Das sollte wohl wichtiger sein als Likes und Kommentare. Es ist eine ganz andere Art des Umgangs mit Bildern und gefundenen Materialien, als ich bisher gearbeitet habe.
Trotzdem bleibt dieses komische Gefühl, dass etwas fehlt. Ohne etwas zu zeigen bzw. zu posten, habe ich manchmal das Gefühl auch nichts relevantes zu tun.

Zum Glück sind da immer noch die persönlichen Kontakte, welche ich habe. Neben engen Freunden sind es auch noch einige Personen aus der Uni, welchen ich mich anvertrauen kann und welche mich unterstützen. Ist das nicht viel mehr Wert als die Bestätigung von vielen Fremden aus dem Netz?

Bin ich noch janalog?

Vor ein paar Tagen ist mir aufgefallen, dass die Texte unter dem Menüpunkt „dahinter“ gar nicht mehr meiner Arbeitsweise entsprechen. Daher habe ich die schon ein paar Jahre alten Texte überarbeitet. Dabei tauchte in meinem Kopf die Frage auf, ob ich meinen Blog wirklich noch janalog nennen kann. Denn inzwischen kann ich meinen früheren Standpunkt kaum mehr vertreten.

Zwar war ich nie so dogmatisch, dass ich nichts digitales zugelassen habe – alleine meine langjährige Arbeit als Bildbearbeiterin hat mich immer in diesem Bereich gehalten. Doch ich arbeite immer seltener klassisch in der Dunkelkammer. Richtige Handprints von realen Motiven, aus der vermeintlichen Wirklichkeit, interessieren mich kaum noch. Das Interesse am Material und der Thematik wird jedoch immer intensiver. So tauche ich inzwischen gerne in alte Fotolehrbücher ein und nutze Material und Zubehör aus der analogen (zum Teil vergangenen) Fotografiewelt um damit Arbeiten und Ideen zu realisieren, welche oft gar nicht mehr auf reine Fotografien als Endprodukt aus sind.

Ich beschäftige mich mit Bewegtbildern, Tönen und Geräuschen, Worten und Texten sowie mit Quellen der Fotogeschichte und Theorie.

Die fotografische Bürde (2017/2020)

Ein kleiner unperfekter Text aus meinem janalogen Notizbuch, welcher 2017 entstand als ich als Fotoassistentin arbeitete, drei Jahre nach meiner gerade so bestandenen Gesellenprüfung. Einen Punkt weniger in der Praxis und ich wäre durchgeflogen!
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Es ist so, ich darf mich ganz offiziell Fotografin nennen. Das bestätigt mir mein Gesellenbrief der Handwerkskammer von 2014. Doch irgendwie ist es eine Bürde, welche ich damit habe. Es ist ein Zettel, der mir meine Leistung, bzw. in meinem Fall eher ein Stück Versagen, dokumentiert. Doch, dass ist nur das „sichtbare“ Problem.

Ich entschied mich mit 18 (also nun vor 10 Jahren!) für die Fotoschule, da ich zu diesem Zeitpunkt neben meiner Leidenschaft für Bücher nur die Fotografie hatte.
Vor der Ausbildung beschäftigte ich mich eher mit einer Art emotionalen und konzeptionellen Fotografie. Ausgehend von einer Idee oder einem Gegenstand inszenierte ich meine Bilder. Dies geschah, rückblickend gesehen, als Flucht vor dem Alltag, meist spontan und sehr improvisiert. Damals hatte ich noch recht wenig technisches Wissen, doch es funktionierte meist doch und ich hatte viel Spaß dabei. Es war eine ganz andere Art der Fotografie als meine heutige, war sie technisch noch so unbelastet.
Doch dann kam die Fotoschule mit dem theoretischen Unterricht und der Studiofotografie.
Man hatte hier auch Konzepte, ging es jedoch doch vor allem um Werbefotografie, aber irgendwie wurde ab da alles ziemlich komplizierter für mich. Vor allem aus quasi nichts, dem nichts des Fotostudios, etwas schönes zu machen – das wurde mir zum Verhängnis.
Im Hinterkopf hatte ich zudem all die technischen und gestalterischen Regeln. Es wurde mir oft zu viel. Ich weiß, dass ich nicht schlecht war, gerade in der Theorie sogar ziemlich gut. Doch sobald ich dann tatsächlich im Studio fotografieren sollte, ging nichts. Bzw. es war mit vielen Gewissenskonflikten, Ängsten und Überwindungen verbunden, welche sich desöfteren als eine Art Nervenzusammenbruch äußerte.
Ich weiß, dass ist ganz alleine ein persönliches Problem von mir – aber die Technik machte mir vieles schwerer.

Es war für mich so, als gäbe es ein „radikales“ Falsch oder Richtig in der Fotografie. Es lag immer ein Schatten über mir, dass ich meine Arbeit in der Schule und später im Beruf, schlecht mache und ich eigentlich besser sein muss.
Das hatte ich in der Form nicht, als ich fotografisch noch unbelastet war. Und auch in meinen freien Arbeiten bin ich inzwischen, wie das Wort schon sag: frei.
Ich muss meine Arbeiten nur mit gegenüber rechtfertigen, meine Fehler und Schludereien. Meist weiß ich, dass ich besser sein könnte, doch ich bin oft ziemlich wirr im Kopf. Zudem habe ich das versteckte Talent, Fehler oder Probleme herzustellen und zu finden, welche absolut nicht erklärbar sind. Das ist im beruflichen Alltag natürlich nicht akzeptabel und lastet auf mir.
Das ist der Fluch des fotografischen Lohnberufes. Ich habe zwar vieles gelernt, was ich auch anwenden kann, habe aber irgendwie eine Allergie des technisch Komplizierten.

Nachtrag: Dies ist unter anderem der Grund, wieso ich nicht (mehr) als Fotografin bzw Fotoassistentin arbeite und nun andere Wege in der Fotografie suche. Hierbei habe ich mehr Spaß und „versaue“ mir nicht durch die tägliche Arbeit meine Leidenschaft zur Fotografie.

Fotografische Ambivalenz (2017)

Es ist ein etwas älterer Text, bzw. Gedankenfetzen, aus dem janalogen Notizbuch. Die Worte sind zwar ziemlich persönlich, doch ich mag nicht nur die Friede-Freude-Fotowelt zeigen, sondern auch, was mich negativ beschäftigt.


Es ist so eine Sache mit der Fotografie, oder, ich sollte den Artikel weglassen! Es ist so eine Sache mit Fotografie.
In ihrem Wesen ein technisches Medium, basierend auf Physik und Chemie sowie Nullen und Einsen, wird es spätestens beim anwenden kompliziert. Die Technik und Wissenschaft vermittelt ein Richtig-Falsch-Denken, denn es lässt sich so vieles messen und vergleichen.
Doch es gibt auch noch eine menschliche Seite. Wir ticken verschieden, denken, fühlen, handeln, sehen, nehmen war.

„Und, was machst du so?“ – „Ich fotografiere“.
Ja, Fotografie. Ich beschäftige mich mit ihr auf verschiedenen Ebene. Ein einfaches Wort, es ist doch damit alles gesagt.

„Kannst du Bewerbungsfotos von mir machen?“
„Ja, cool, ich fotografiere auch gerne“
„Ich wollte mir eine neue Kamera kaufen, hast du einen Tipp für mich?“
„Kannst du dann auch Photoshop? Dann mach mich doch mal hübsch“

Es gibt unzählige Reaktionen auf dieses Wort, den Beruf, das Bekenntnis. Doch mit den meisten kann ich mich nicht identifizieren.
DIE Fotografie gibt es nicht, ich will es auch nicht. Ich mache Fotografie, schaue sie mir an – sie ist in meinem Leben sehr wichtig.
Fotos: Die schönere Welt. Aufs Knöpfchen drücken – juhu.

Ich stelle mir vor, dass ich mit meinen aktuellen Symptomen zum Arzt gehe. Erst langes rätseln, an was leide ich denn?
Verzweiflung, ich mache mir zu viele Gedanken, Perfektion, unendliche Faulheit. Mir wird schlecht von verdrehten Farben, weiß jedoch nicht wie ich diese „richtig“ hinbekommen soll ohne verdammt schlechte Laune zu bekommen. Schlechte Laune von Bildern, ja! Verdammte Scheiße, ja!
Der Arzt kann mir nicht helfen, wahrscheinlich sollte ich in die Klapsmühle. Ich bin verrückt und weiß es. Ich weiß das ich in dieser Hinsicht ungesund lebe. Totale Schizophrenie im fotografischen tun und handeln. Ich möchte es trotzdem, kann nicht davon weg – mein Leben ist die fotografische Welt und ich werde an diesen bestimmt irgendwann zugrunde gehen. Diese Achterbahn namens Fotografie. DIE Fotografie? Aber warum denn nur? Was ist es überhaupt? Eine Tätigkeit, ein Handeln, Beruf, Beiläufigkeit oder tatsächlich eine Lebenseinstellung?
Ich weiß es nicht, weiß nur, dass ich davon nicht loskomme. Ich liebe sie und hasse sie. Sie macht mich glücklich und auch so abgrundtief traurig, wütend, verzweifelnd.