Rotlicht Festival 2022

Ein paar Impressionen vom diesjährigen Rotlicht Festival in Wien, auf welchem auch ein paar meiner Polagramme zu sehen waren. Viel hab ich nicht fotografiert, denn ich war mehr in Gesprächen mit neuen und alten Bekannten vertieft. Neben der Hauptausstellung der Open Call GewinnerInnen im Semperdepot, zu welchen ich mich zählen durfte, gab es auch noch eine Outdoorausstellung am Museumsquartier.

(Anti-)Faszination

Ich habe seit längerem eine (Anti-)Faszination für fotografische Lehrbücher und Zeitschriften. Mein liebstes Sammelgebiet ist dahingehend der Zeitraum zwischen 1930-1960. In diesem Zeitraum finden sich nämlich die, meiner Meinung nach, besondersten Exemplare mit Humor sowie sprachlichen und illustratorischen Besonderheiten. Zwar ist im Rückblick vieles kritisch zu sehen, vor allem bezüglich Kommentaren zu und über Frauen, aber auch das finde ich spannend. Es zeigt auf wie viel sich doch geändert hat (oder doch nicht?).

Richtige Aufreger sind für mich dagegen schon manchmal die Titel oder Untertitel der Lehrbücher. Wer Weg zum perfekten Foto, Perfekte Fototechnik und weitere Formulierungen im Innern der Bücher wie richtig und falsch. Diese machen allerdings auch nicht vor aktuellen Exemplaren halt. Grob gesagt ist es vor allem der fotografische Amateurbereich, welcher mich mit gemischten Gefühlen beschäftigt. Zwar bin ich daraus „gewachsen“, aber ich gucke inzwischen sehr kritisch darauf. Weniger kritisch auf die tatsächlich fotografierenden Amateure, sondern eher auf so manche Einstellung und Vermittlung in eben diesen Printprodukten und Diskussionen (in Foren, Stammtischen etc). Doch, so eine Frage in einem hinteren Eck meines Kopfes, guck ich inzwischen aus einem überheblichen und elitären Blickwinkel darauf, da ich studiere? Wieso ist das so?

Mir ist zudem auch aufgefallen, dass mir die Fotos in solchen Publikationen nahegehend egal sind, mich fast schon nerven. Vielleicht da sie so austauschbar sind und/oder ich inzwischen abgestumpft bin? Ich bin mir nicht sicher, daher bin ich gerade dabei dieser Einstellung dazu in Texten sowie künstlerischen Arbeiten nachzugehen. Aktuell ist noch nichts endgültig fertig und ich bin mitten im Prozess, aber da es hier so ruhig ist mag ich den Blog wieder mehr mit Zwischenständen und Gedanken füllen.

Das freigegebene Bild

Vor einigen Wochen besuchte ich das „hängen gelassene“ letzte Bild von der Botanik-Ausstellung. Letztes Jahr konnte ich es nicht abhängen, da die Wurzeln der Monstera (Fensterblatt) sich sehr an dem Bild festgehalten haben. Ich hätte es nicht ohne Schaden an der Pflanze oder Bild entfernen können, daher blieb es da.

Nun musste ich mit erstauenen feststellen, dass die Monstera wohl kein Interesse mehr an dem Bild hatte und die Verbindung gelöst hat. Daher konnte ich es abhängen – immerhin mit den bisherigen Wurzeln.

Polagramme beim Rotlicht

Meine Polagramme wurden neben 19 weiteren Arbeiten verschiedener Künster:innen für die diesjähirge Hauptausstellung beim Rotlicht Festival in Wien ausgewählt.

Eine Auswahl davon, welche ich noch final zusammen stellen muss, wird mit den anderen Arbeiten vom 17.-26.11 im Semperdepot zu sehen sein.

www.rotlicht-festival.at

Experimentalphotofestival 2022

Projekteria Barcelona
Ich bin seit Montag Abend wieder zurück aus Barcelona, wo ich einige Tage für das Experimentalphotofestival war.

Es war für mich das erste Mal, auch wenn das Festival schon das dritte Jahr in Folge stattfindet. Das
ganze Konzept von dem Festival ist ja sehr speziell. So meldet man sich an (125-180€, inkl 1-2 Workshops) und sendet gleich schon ein Artist Statement und einige Arbeiten mit. Aus den eingereichten Bildern der Teilnehmer können zuvor ausgewählte Kuratoren (dafür gibt es einen Open Call) ihre Ausstellungen bestücken. So gab es fünf verschiedene
Ausstellungen an verschiedenen Orten in Barcelona.

Leider hab ich die Eröffnung "meiner" (Gruppen)Ausstellung verpasst, da ich am Dienstag zu spät in Barcelona angekommen bin. Am Mittwoch begann es für mich mit einem Portfolio Review-Workshop. Übernächtigt und mächtig nervös hab ich es eher schlecht als recht gemacht, da mein Englisch in dem Zustand kaum funktioniert hat. Aber es war eine gute Taktik, denn so konnte ich schon ein paar Leute kennen lernen bzw. man gegenseitig seine Arbeiten. So fand man in den folgenden Tagen immer wieder ein paar Leute, welche mehr über meine Arbeiten erfahren wollten, worüber man gut ins Gespräch kam.

Das ganze Festival ist mit sooo viel Liebe gemacht. Man bekommt am ersten Tag einen Beutel mit einem "Katalog" und noch ein paar anderen Sachen drin (Werbematerial von Lomographie). Dieser Katalog ist der Hammer. Das ist eher so eine Mappe mit Programm, einem Buch mit verschiedenen Texten zu Standpunkten experimenteller Fotografie sowie eine Art Spiel(feld) mit Karten. Die Karten gibt es in zwei verschiedenen Größen. Auf den größeren Karten ist auf einer Seite eine Arbeit und auf der anderen Seite eine kleine Vorstellung der jeweiligen Leute welche Workshops, Vorträge etc machen. Die kleineren Karten sind Bildkarten, auf welcher von jeder teilnehmenden Person ein Foto gedruckt ist - inkl. Instagramname oder Webseite/Mailadresse. So weiß man wer da ist und wer in etwa welche Arbeiten macht. Das find ich soooo schlau und gut. Man kann also auf die Person direkt zugehen, bzw sie gezielt suchen, wenn man was zu ihren Arbeiten wissen möchte.

Der Netzwerk-Gedanke ist bei diesem Festival so ausgeprägt, wie ich es auf keinem anderen je erlebt habe. Es ist eigentlich mehr wie eine Experimental-Konferenz. Man hat auf seine Karte (welche man an einem Band um seinen Hals trug) bei der Anmeldung vor Ort auch eine Nummer bekommen und die Aufgabe, zwei weitere Personen mit der gleichen -Nummer zu finden - um etwas gewinnen zu können. Es gab neben den vielen Workshops auch täglich 7-8 Konferenzen/Vorträge. Manche Sachen waren jedoch nur auf Spanisch, aber es gab genug auf Englisch, denn es war sehr international. Abends gab es Ausstellungseröffnungen oder Abendprogramm an einem anderen Ort, wo auch fast immer was verlost wurde. Das Tagesprogramm fand im Pati Llimona, einem Kulturzentrum mit Dunkelkammer etc, und in einem Fotoinstitut statt.