Lichtbildwesen und Aktuelles

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Illustration: Jasmin Weber

 

Nun habe ich das Bedürfnis auch offiziell über mein geplantes Projekt „Lichtbildwesen“ zu berichten, welches jedoch erstmal nicht umgesetzt wird. Ende Februar saß ich an der Konzeption für einen Podcast, welcher eine Erweiterung des Blogs gewesen wäre. Doch durch Corona hat sich (wie bei wohl einigen) das Leben ziemlich verändert und ich bekomme keine Routine rein, welche ich für regelmäßige Folgen hinbekommen müsste.

Denn aktuell bin ich nur selten an meinem eigentlichen Wohnort und pendle zwischen Karlsruhe, wo ich in meinem ehemaligen Labor arbeiten kann, und dem Schwarzwald, wo meine Familie lebt, hin und her. Der Spagat zwischen meinen Fotoarbeiten und meinem seit dem Lockdown noch größer gewordenen Bedürfnis nach der Natur und dem Wandern ist für mich nicht immer leicht. Doch das kann ich nun besser ausleben, als würde ich in NRW sein müssen um dort „regulär“ zu studieren. Das Online-Semester hat für mich den großen Vorteil, dass ich das nun ortsungebunden machen kann. Doch das Leben aus dem Rucksack ist manchmal doch etwas anstrengend. Ich bin oft von meinem „Recherchematerial“ getrennt und kann nicht immer an den offenen Projekten arbeiten, nach denen mir gerade ist.

Aber dadurch ergibt sich vielleicht noch etwas anderes, mal schauen. Ich hoffe das ich bald wieder mehr Motivation für den Blog habe. Untätig bin ich im „realen Leben“ jedoch keineswegs.

Unkommentierte Zitatsammlung I

…..aus meinem physischen janalog (1.2019-2020.3)

„Fotos von Anfängern lassen uns tief in den Seelenzustand des optisch unerzogenen Menschen blicken. Sie verraten unbezähmten Besitzdrang, ja Raffsucht, und ordnungslosen Wirrwarr der Wünsche. Wo immer der Anfänger die Kamera zückt, beherrscht ihn der Trieb, alles einzufangen -Stadttor,…., und die liebe Familie auf einmal.“ (Rudolf Baucken – Geliebte Sekunde)

„So ist es auch zu verstehen, warum ein Rahmen mit einem Passepartout das Bild noch schöner erscheinen lässt. Seine Grenzen sind noch klarer, noch beruhigender“ (Martin Schuster – Fotopsychologie)

„Auch das augenartige Objektiv der Kamera kann zu eiem großen Abwehramulett werden, das den unsicheren Reisenden beschützt. Die Kamera wird so, ganz unbewusst, zum Talismann des Touristen!“ (Martin Schuster – Fotopsychologie)

„Die Haltung des Fotografen ist die des distanzierten Beobachters, nicht die des einfühlenden Teilnehmers. Diese Haltung entspricht in weit stärkerem Maße der Mentalität des Mannes als das der Frau“ (Berend H. Feddersen – Fotografieren als Sexuelle Aggression)

„Der Photograph stellte sich gleichsam vor die Kamera und verdeckte sie mit seiner Persönlichkeit. Im Augenblick der Aufnahme musste er zwar für ein paar Minuten zur Seite treten – aber in der Vorstellung, die man sich von der Photographie gemäß der alten Bild-Kunst machte, wurde er zum Schöpfer aller Dinge […]. Keiner der je einen Hebel benützte, behauptete, seine Kräfte würden plötzlich so enorm wachsen und der Hebel wäre eine ganz belanglose Sache dabei“ (Pawek – Bild aus der Maschine)

„Dieses neue Wirklichkeits-Erlebnis hat zur Folge, dass heute nicht mehr Gedanken, sondern Ereignisse den Menschen am stärksten beeindrucken (Pawek – Bild aus der Maschine)

„In Wahrheit will ja der Kunde gar keine Kamera kaufen, sondern schöne Erinnerungen.“ (? folgt)

„Die Photographien antworten darauf ganz so, wie sie gefragt wurden“ (Rosalind Krauss – Das Photographische [..])

„Denn so nützlich fotografische Lehrbücher sind, soweit sie die Technik des Negativ- und Positivprozesses behandeln, so durchaus schädich werden sie durch die Grenzsetzung, die sich aus der üblichen Art der Darlegung ästhetischer oder künstlerischer Regeln ergeben“ (Werner Gräff – Es kommt der neue Fotograf)

„Die Technisierung tötet den Geist“ (Windisch – Schule der Farbenfotografie)

„Vom Gerät geht der Zwang aus das Gerät anzuwenden. Gibt man einem Kinde ein Messer, so schneidet, gibt man ihm einen ammer, so schlägt es alles entzwei. Gibt man einem Manne ein Gewehr, so muss er sehr der Versuchung widerstehen, etwas Lebendiges damit totzuschießen. Vom Gerät geht stehts ein Zwang aus“ (Windisch – Schule der Farbenfotografie)

dieMotive Podcast

Als ich letztes Jahr die tolle Johanna Eckhardt in Berlin besuchte, lag bei ihr im Zimmer eine Ausgabe der Zeitschrift dieMotive. Das war mein erster und bisher leider letzer Kontakt mit dieser tollen Zeitschrift (zur Kultur der Fotografie). Zwar las ich nur vor Ort einige Artikel, doch der Inhalt entsprach ziemlich meinen Interessen. Bisher gibt es nur eine Ausgabe, doch ich hoffe auf weitere.

Vor ein paar Tagen ist mir dann über den Weg gehuscht, dass es nun auch einen Podcast von dieMotive gibt. Diesen kann man über die Webseite oder auch über Spotify hören. Ich habe die Folge mit Dr. Anja Schürmann auf den täglichen Spaziergang mitgenommen. Ihr Name ist mir ebenfalls nicht fremd, da ich letztes Jahr bei einer Diskussion im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen war, welche sie mit Matthias Gründig (Folkwang Uni) moderiert hatte. Wenn es euch in der Fotografie um mehr als nur technisch gute Bilder geht, dann lege ich euch ans Herz diesen Podcast zu verfolgen.

Wer noch ein bisschen mehr hören möchte, kann hier der Diskussion im KWI über Salgados Arbeiten folgen, welche auch in der Podcast-Folge angesprochen wird.

Zeitreisen

Wer meinen Blog und vor allem auch meine Aktivitäten auf Instagram verfolgt, der weiß, dass ich in den letzten zwei Jahren eine immer größer werdende Leidenschaft für „Fotografisches Altpapier“ aufgebaut habe. Was vor allem mit alten Fotozeitschriften und das dortig fokusierte Interesse auf die Werbeanzeigen anfing, hat sich nun auch auf die sprachliche Form erweitert. Interessante Formulierungen finden sich ebenfalls in Zeitschriften, aber auch in Fotolehrbüchern oder in Romanen, in welchen die Fotografie auftaucht.
Diese Recherchen sind wunderbare Nährböden für meine Fotowörter, doch beinhalten diese bestimmt noch mehr Potenzial, von welchem ich bei meinem aktuellen Stand noch nicht weiß. Somit bin ich gerade wie ein Hamster, welcher Wörter sammelt um damit später hoffentlich gezielter arbeiten zu können.
Es ist gerade so, dass diese Art der Beschäftigung mit der Fotografie mir viel mehr Freude macht, als das Fotografieren an sich. Bei diesen fotografischen Zeitreisen beschäftige ich mich bevorzugt bis zu den 1950-60ern.

Der grosse Photohelfer – Heinz Temmler – Hanns Porst Verlag Nürnberg – 1954
Fotofehler A – Z – Wolf H. Döring – Verlag Wilhelm Knapp Halle/S. – 1933/1950
Hunderterlei Fotokniffe – Dr. Otto Croy – Verlag Wilhelm Knapp Halle/S. – 1936/1945
Kleinbild-Fotografie – Dr. Walter Kross – Verlag Wilhelm Knapp Halle/S. – 1944
Kleiner Fotokurs für Marion – H. Windisch – Heering Verlag Harzburg – 1940
Praxis der Farbenfotografie – Dr. Walter Kross – Verlag Wilhelm Knapp Halle/S. – 1951
Schule der Farbenfotografie – H. Windisch – Heering Verlag Harzburg – 1940

Aktuell arbeite ich an den oben genannten Büchern, wobei sich noch weitere in meinem Besitz befinden. Diese sind jedoch nicht aus dem für mich vor allem interessanten Zeitraum oder verstecken sich gerade vor mir. Einige sehr interessante Bücher befinden sich auch (noch) nicht in meinem Besitz.

Daher bin ich auch immer über Bücherspenden oder -Leihgaben dankbar, da ich nie weiß in welchem Buch sich was tolles versteckt. Ich übernehme gerne die Versandkosten, als Dankeschön gibt es auch einen Print zurück.