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Latent oder doch Resistent?

Der wahrscheinlich endgültige Verlust meines liebsten Fotomaterials, dem Fuji FP100C Sofortbildmaterial, ist wirklich zum verzweifeln. Kein anderes Material bietet so eine schöne Palette für die Experimentierfreudigkeit. Ich konnte mir noch zehn Packen ergattern und hoffe mein Buchprojekt damit irgendwann noch fertig zu bekommen.

Wer sich für das Material interessiert der weiß, dass man mit dem Müll, also der Negativseite, noch so einiges anstellen kann. Mir ist es jedoch ein Rätsel wieso man manchmal das ungebleichte, latente-resistente Negativ nur direkt nach der Belichtung sieht und es manchmal länger bzw. deutlicher bleibt. Bei den Blumenmädchen (Positives Negativ) konnte man es sehr deutlich sehen und so kam es auch direkt mal auf den Scanner. Natürlich muss man es ein bisschen durch Photoshop ziehen, aber ich mag diese Ästhetik. Noch bietet dieses Feld so viele Ansatzpunkte, dass ich mir vorgenommen habe nun endlich wieder mehr in dieser Richtung zu machen.

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Ich hab jedoch erschreckend festgestellt, dass ich dieses Jahr keine zwei Packen durchgeschossen habe. Diese Materialknappheit steckt mir doch ziemlich im Hinterkopf und hintert mich an dem lockeren Umgang, welchen ich mit dem Material eigentlich hatte. Ich mache mich nun mal auf die Suche nach dem AUS-Knopf um endlich wieder mehr zu experimentieren.

 

Teil 1: Über Reisen und die Fotografie

Ich habe letztes Jahr schon ein paar Zeilen über dieses Thema geschrieben. Dort habe ich das „nicht-fotografieren“ ziemlich gut umsetzen und durchhalten können, wobei man nicht von durchhalten sprechen kann. Ich hatte einfach kein Verlangen danach. Vielleicht auch, da es „nur“ die Schweiz war, nicht wirklich weit weg und auch kein richtiges Ausland für mich. Ich bin mit der Bahn durch die Gegend gezuckelt und konnte mich der Landschaft freuen, welcher ich relativ leicht wieder einen Besuch abstatten kann.

In Irland war ich mit dem Thema wieder konfrontiert. Es fing schon mit dem zusammenstellen der Ausrüstung an. Das „Was soll mit?“ hat sich mir davor gar nicht wirklich gestellt, da die Rolleiflex und eventuell noch meine Polaroid in Frage kamen. Doch durch meine Arbeit kann ich mir verschiedenste Kameras ausleihen. So kam nun neben der Rolleiflex auch die Nikon F2 mit, mit welcher ich mich langsam anfreunde. Somit mussten auch zwei verschiedene Filmarten mit auf die Reise. Puh!

Da die Zeit und auch die Gegebenheiten nicht wirklich passten um in Ruhe durch das Land zu fahren, ging es auf Tagestouren um einige der tollen Orte und Landschaften mitzubekommen. Zusammengepfercht in einem Bus voller anderen Menschen ging es los. Vom Busfahrer gab es Erklärungen hier, Erkläruneng da, manchmal wurde nur zum besser gucken angehalten oder es gab 15 min Aufenthalt zum fotografieren. So ging es durch die schönste Landschaft von Irland. Zwar konnte ich mich nicht dazu bringen, aus dem Fenster zu fotografieren, wie es die anderen zum großen Teil taten. Doch ich machte auf den Stops auch das ein oder andere Knipsbild, welches ich normal nicht machen würde.

Somit fragte ich mich, fast schon während dem tun, wieso ich das überhaupt mache?!

Ich weiß doch eigentlich, dass die Bilder nichts werden können. Die Sonne stand falsch oder ich hatte zu wenig Zeit und Ruhe für die Fotos! Was will ich nur damit? Das „Ich-bin-da-gewesen“-Syndrom – aber wieso? Eigentlich lege ich darauf doch gar keinen Wert! Gruppenzwang?

So richtig an meinen Nerven haben vor allem die Cliffs of Moher gekratzt. Hier hatten wir 1,5h Aufenthalt auf welche ich mich freute, doch ich wusste nicht wie touristisch das Ganze in Wirklichkeit ist. Was auf den Fotos so friedlich und naturbelassen aussieht läuft im Hintergrund mit Besucherzeitrum, Absperrungen und wahnsinnig viel Publikum. Um die besseren Bilder von sich zu bekommen werden natürlich die Absperrungen überwunden um den Klippen so nahe wie möglich zu sein. Zwar verstehe ich das schon ein bisschen, doch in dieser Masse scheint mir das fast ein reinster Foto-Tourismus zu sein. Die wenigsten, so kommt es mir vor, genießen diesen wunderbaren Anblick und das Naturschauspiel! Man läuft an den Klippen entlang um den besten Standort für die Bilder von sich gegenseitig (oder sogar Selfi) machen zu können. Auch im Besucherzentrum gibt es eine „Postcard“-Station, wo man ein Bild von den Klippen bzw. Umgebung auswählen und sich dann vor einem grünen Hintergrund in dieses reinmontieren lassen und dann den Liebsten Zuhause per Mail schicken lassen kann. Klar, faszinierend durch die technische Spielerei ist das irgendwie schon, doch in meinem Kopf gesellt sich das wieder mal zur Fototourismus-Sparte „Ich-war-hier“ und das kann ich in dem Ausmaß einfach nicht verstehen.

Ich muss sagen, dass ich mich in dieser Foto-Touri-Rolle gar nicht wohl fühle. Fotos zu machen, für welche ich mir keine richtige Zeit genommen habe bzw. gar nicht konnte, fühlt sich so unglaublich schlecht an! In diesem Urlaub habe ich es nun, auf was für Gründen auch immer, doch getan und endgültig für mich gemerkt das es nichts für mich ist.

Wenn ihr euch fragt auf was ich hinaus möchte….tja, dass weiß ich auch (noch) nicht genau. Kann diese Sache nämlich in keine genaue Schublade einordnen. Da findet ein kontinuierliches hin und her sortieren der Gedanken und Taten statt. Wie gehe ich mit der Fotografie auf Reisen am Besten um? Ich habe noch kein einziges Landschaftsfoto aus Irland weiterverarbeitet…..kein Interesse.

Vielleicht kommt dieser Text genauso wichtigtuerisch und selbstdarstellerisch rüber wie ein Selfie vor den Cliffs of Moher, aber es muss irgendwie raus.

TEIL 2 folgt demnächst…….

Architekturpolaroid mit blauem Boden und Licht

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Station 14: analogueNOW Berlin

janalog-unterwegsSchon wieder Berlin. Ja, das letzte Wochenende zog es mich durch das analogueNOW-Festival mal wieder magisch nach Berlin. Nachdem ich letztes Jahr großen gefallen daran gefunden habe war es einfach ein “Muss”-Termin. Und das hat sich definitiv gelohnt!

Los ging es am Samstag mit einem “Wetplate”-Workshop bei Isabelle. Eigentlich hatte ich nie das besonders große Bedürfnis diese Technik kennen zu lernen, da sie mir viel zu kompliziert schien. Doch es war, trotz der dezenten Geruchsbelästigung, ziemlich interessant. Natürlich wurde meine Platte nichts, da ich Schussel den Entwickler aus versehen auf die falsche Seite der Glasplatte gegossen hatte. Aber ich wollte mich doch sowieso von der gegenständlichen Fotografie lösen, passt also! Werde das Ergebnis auch demnächst mal zeigen, da ich es gar nicht so schlecht finde.

Das Rahmenprogramm des Festivals umfasste die Ausstellung “Manipulation”, auf welcher experimentelle Arbeiten gezeigt wurden, welche über die reine Abbildung der Fotografie hinaus gehen. Also genau mein Geschmack! Am Imposantesten war wahrscheinlich der riesige Cyanotypie-Wandbehang, aber am meisten haben mich die Dia-Pilzkulturen-Arbeiten von René Schäffer fasziniert. Neben diesen abstrakten Fotoarbeiten gab es auch noch eine eher dokumentarisch angehauchte Fotobuchausstellung, welche mich jedoch nicht so beeindruckte wie die Fotoausstellung.

Naütrlich gab es auch Vorträge und so schaffte ich es auf “Fotobuch. Postdigital”, wo über die aktuelle Fotobuchszene gesprochen wurde und zu “Fotoforensik”. Gerade letztere war ziemlich interessant, da mich dieses Thema durchaus auch betrifft…..pfusche ja genug an Bilddaten rum.

Am Sonntag habe ich es auch noch geschafft beim Künstlergespräch dabei zu sein. Es ist immer interessant und hilfreich zu den Bildern ein paar Worte von den Künstlern zu hören. Wobei ich zu diesen Arbeiten generell einen besseren Zugang habe als zu dokumentarischer Fotografie. Aber der Hintergrund und die Technik lässt sich natürlich nur so aufdecken und verstehen.

 

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Bild von Dagie Brundert

Jetzt aber noch ein paar Worte zu einem Workshop welcher mich wohl am meisten beeinflusst hat. Der Super-8-Workshop von Dagie Brundert hinterließ einige positive Spuren. Als ich im Programm davon gelesen hatte war für mich klar hier teilzunehmen, da ich einige ihrer Filme kenne und erst kürzlich eine entsprechende Filmkamera geschenkt bekommen habe. Aber oft brauch ich erst einen Anstupser, welchen es am Sonntag definitiv gab. Einfach machen…..ich werde es versuchen! Und bin so sehr auf die Ergebnisse gespannt.

 

Achja, die Suppe wird mit Soda wärmer :)