Sonntagabend-Gedanken

Wenn seit den fotografischen Anfängen schon immer parallelen mit dem Auge, dem Sehen und sogar in Richtung Netzhaut (chemischer Träger) gezogen wurden, dann wird trotz aller Technik etwas Menschliches in der Funktionsweise gesehen. Zwar speichert die Technik/Kamera von selbst keine Bilder, wirft bei abgenommenem Objektivdeckel jedoch kontinuierlich Bilder, ja sogar einen Film, auf die Mattscheibe. Unzählige potenzielle Bilder, latente Bilder.

Es entsteht also nur ein Bild, sobald wir uns aktiv dazu entscheiden in dem wir den Auslöser drücken. Dafür müssen wir davor jedoch meist auch aktiv sehen. Wenn man sich nicht aktiv zur Wahrnehmung entscheidet, so sieht man auch „nichts“, wie die unempfindliche Mattscheibe der Kamera. Wie oft geht man an irgendetwas vermeintlich unscheinbarem vorbei, da man es nicht „auf dem Schirm“ hat? Da stelle ich mir die Frage wie sich meine Wahrnehmung mit und ohne „Schirm“ bzw. Mattscheibe verhält? Was sortiert mein Gehirn im Unterbewussten aus, was ich dann plötzlich auf der Mattscheibe „tatsächlich“ sehe?

Wie wirkt sich dann die Dauerbetrachtung der Welt durch das Smartphone, den Kamerasucher und den digitalen Endgeräten etc. auf die Wahrnehmung der Umwelt aus? Auf der einen Seite bietet uns diese Zwischenebene einen selektierten und beruhigten Bildausschnitt auf welchen wir uns konzentrieren können, doch auf der anderen Seite ist das Leben eben mehr als diese zweidimensionelle Betrachtungsebene.

Mir ist es klar, dass man nie auf einen gemeinsamen Nenner von Fotografie, Sehen und „die vermeintliche“ Wirklichkeit kommen wird. Doch einfach nur konsumieren von realter, fiktiver und abbildender Umwelt macht meiner Meinung nach auf einer gewissen Weise blind.

Eine allgemeine Wahrheit wird es in allen Bereichen wahrscheinlich nie geben, doch die Imagination derer ist wohl treffend als nicht richtig zu bezeichnen.

Mit Stativ, Ohne Mich

Ich bin mir durchaus bewusst, dass es seltsam ist als Architekturfotografin so gut wie nie mit einem Stativ zu fotografieren. Aber keine Sorge, ich mache mir deswegen ab und zu kleine Vorwürfe. Denn natürlich sind nicht immer alle Linien perfekt gerade wenn ich mit der Rolleiflex um den Hals durch die Straßen ziehe und fotografiere. Doch auch mit einem Stativ würde ich viele Linien nicht exakt ausrichten können, dazu ist diese Art von Kamera nicht geeignet. Aber egal, darum geht es mir nicht. Es geht darum, dass mich das Stativ bei meinen privaten Arbeiten mehr behindert als das es mir hilft.

Man benutzt es wenn man das Motiv wegen zu wenig Licht nicht aus der Hand fotografieren kann, man exakte, gerade Linien haben oder in Ruhe sich dem Motiv widmen möchte etc. Doch durch den Aufbau dieses Statives legt man gleich viel mehr Bedeutung, da Mühe, in das Bild. Genau an dem Punkt ertappe ich mich, denn so viel Bedeutung mag und kann ich meist nicht in meine Bilder legen – ich würde sie schlussendlich nicht aufnehmen. Ja, ich bin faul! Doch ein Stativ passt gerade einfach nicht zu meiner üblichen Arbeitsweise.

Ich ziehe meist mit der Rolleiflex über der Schulter durch die verschiedensten Städte. Schon meine Fototasche ist gerade an der Genze des er“trag“baren und so stopfe ich Filme und Belichtungsmesser in irgendwelche Jacken- und Hosentaschen oder in einen Jutebeutel. Rucksäcke mag ich nicht, auch Wechseloptiken und zu viel Schnickschnack führen dazu, dass ich nicht mehr fotografieren möchte. Muss ich da noch erwähnen wie es mir mit einem Stativ geht? Wohl eher nicht. Denn der Moment des Fotografierens soll unmittelbar und ohne zu viele Störungsquellen geschehen.
Ich, Belichtungsmesser, Kamera -> Bild. Fertig.

Ich lege oft viele Kilometer zurück ohne zu wissen wann und ob ein fotografierbares, bzw. sich lohnendes, Motiv kommt. Da auf gut Glück ein Stativ mitzuschleppen, da würde ich wahnsinnig werden und hätte schon bald keine lust mehr. Und wenn ich unzufrieden bin, dann sehe ich auch keine Motive mehr.

Die durchaus berechtigten Argumentationen für die Arbeit mit einem Stativ ziehen bei mir nicht. Ich habe nämlich kein Problem damit einfach mal nicht zu fotografieren. Wenn ich weiß, dass ich dieses Bild nicht zufriedenstellend aufnehmen könnte, komme ich einfach wieder oder lasse es eben bleiben. Zudem sehe ich es nicht als Schandtat die Linien nachträglich zu begradigen, zur Not auch mal mit dem teuflischen Photoshop.

Aber, fotografieren und fotografieren lassen.

Die Bilderschenkerei und der Weihnachtszirkus

Es ist jedes Jahr das gleiche Theater. Jedes Jahr der Kampf mit dem Gewissen! Verschenke ich nun etwas zu Weihnachten oder nicht? Eigentlich möchte ich mich aus dem Zirkus raushalten, aber gesellschaftliche Zwänge wabbern mir trotzdem im Hirn rum.

Als (kleines) Kind ist das alles kein Problem. Man wird reich beschenkt und muss nichts weiter tun als lächeln, danke sagen, sich freuen und vielleicht noch ein Bild als Dankeschön malen. Etwas eigenes verschenken – Ja, das bringt Eltern, Großeltern und auch Verwandte zum strahlen. Was bleibt einem denn in diesem Alter auch sonst übrig?

Doch je älter man wird, desto materieller wird das alles. Das kommt mir auf jeden Fall so vor. Ich bekomme nicht gerne was geschenkt und verschenke nicht gerne – nicht aus/auf Zwang und Termin! Eigentlich schenke ich nur wenn mir etwas passendes für die jeweilige Person einfällt. Darunter fallen ab und an Fotoshootings oder auch Ausbelichtungen bzw. Prints. Das passiert nicht (nur) zu üblichen Schenketerminen, sondern oft einfach so. Die große Vorraussetzung dafür ist, dass ich weiß, oder mindestens vermute, dass es der beschenkten Person auch gefällt.

Doch irgendwie finde ich mich gerade in einer komischen Situation wieder. Nun muss und will ich schenken, doch die ursprüngliche Idee hat nicht geklappt. So möchte ich auf die naheliegenste Möglichkeit zurückgreifen – ein Bild verschenken. Wie früher. Doch STOP, ist das auch wirklich eine gute Idee? Im Hinterkopf habe ich diverse Bedenken, denn meine Fotos kommen nicht immer und überall gut an. „Zu Abstrakt“, „Ich kann damit nichts anfangen“, „Das passt bei mir nirgends hin“ und ähnliches habe ich aus verschiedensten Ecken schon zu hören bekommen. Zwar tun diese Aussagen weh, aber ich verstehe es. Ich möchte auch nicht alles haben. Vor allem wenn ich keinen Bezug dazu habe. Es gibt doch nichts blöderes als freundlich ein Geschenk annehmen zu müssen von welchem man weiß, dass man es nie benutzen/aufhängen/wertschätzen wird. Zudem würde es mir das Herz brechen wenn ein Bild, welches ich schenke, nicht gemocht und dementsprechend behandelt wird. Nicht vorzustellen wenn dies sogar im Papierkorb landen würde, oder unter einem Stapel anderen Sachen. Nein, dann schenke ich lieber nichts und versuche dazu zu stehen.

Irgendwie ist mir die Freunde an der Geste verloren gegangen. Mir gefällt so wenig – vor allem nichts materielles. Doch wie geht es den von mir Beschenken tatsächlich? Es wird mir wohl nichts übrig bleiben als es auszuprobieren. Dann werde ich nun meinen Mut, ja Mut, auch wenn es sich theatralisch anhört, zusammen nehmen müssen und versuchen dazu zu stehen. Aber bei meinen eigenen Arbeiten und der Familie bin ich durchaus ein gebranntes Kind, ich zeige meine Arbeiten inzwischen so gut wie nie. Oder es ist alles nur in meinem Kopf.

Immerhin gibt es konservative Augenkost. Ich bin gespannt.

Wenn ein Bild verschwindet

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Wenn man mit vielen „Analogfotografen“ spricht und in diversen analogen Fotografieforen rumscrollt, dann bekommt man früher oder später mit, dass der Begriff „Archivfest“ durchaus eine große Bedeutung und Wichtigkeit hat. Zwar wird das Filmmaterial, im Vergleich zur digitalen Problematik, als recht langlebig betrachtet, denn nicht umsonst werden im Barbarastollen bei Freiburg wichtige Dokumente auf Film gelagert. Doch damit dies auch wirklich der Fall ist muss man ein bisschen aufpassen. Neben dem richtigen entwickeln, ausreichend fixieren sowie genügend wässern ist das passende Material und die Lagerung dafür ziemlich wichtig. Bei Negativen und Abzügen.

Wenn wir uns fotogeschichtlich zurückerinnern, war doch genau diese Bildstabilität das größte Problem. Doch anscheinend haben wir das nun gelöst. Oder doch nicht?

Nahezu gegenteilig dazu fungiert die Smartphone-App Snapchat. Ich verurteile dieses Programm nicht, im Gegenteil, ich finde diese Bildwahrnehmung irgendwie reizvoll.  Zwar juble ich diese Bilderflut und Bildrezeption ganz und gar nicht hoch, doch im Vergleich zum nahezu gleichen Wahn der Archivfestigkeit ist dies wohl eine nachvollziehbare und nicht aufhaltbare gesellschaftliche Entwicklung.

Als Fotograf/in geht man jedoch meist mit einer ganz anderen Einstellung dran, gerade im Analogen. Unsere Fotos sind wirklich da, man kann sie anfassen. Doch auch unter diesen gibt es welche die verschwinden. So ist es mit einem Polaroidabdruck geschehen, welchen ich meinem ehemaligen Fotodozenten geschenkt habe. Dieser hängt an der Wand seines ziemlich hellen Büros und fing mit der Zeit langsam an zu verschwinden. Nach inzwischen einem Jahr hängt nur noch ein theoretisch leeres Blatt Papier im Rahmen.

Als er mir erzählte, dass das Bild immer blasser wird, kam bei mir keine Panik auf. Auch wenn es immerhin ein Unikat war, es ist ein Geschenk an ihn. Nun ist es weg, aber irgendwie immer noch da. Das Wissen, dass sich genau an dieser Stelle des Papiers Strukturen, Formen und auch Farbe abgezeichnet haben, hat etwas ziemlich persönliches. Immerhin weiß er, ich und auch ein paar andere, was für ein Bild in diesem Rahmen hing bzw. imaginär noch hängt. Die „neuen“ Betrachter sehen nur ein leeres Blatt Papier.

Ist das nicht wunderbar? Das Wissen dieses Bild nahezu für sich alleine zu haben? Mir geht es auf jeden Fall so, auch wenn ich ein Scan davon auf der Festplatte gespeichert habe. Aber ich verzichte darauf, dies im Vergleich auch zu zeigen. Es ist sein Bild!

Teil 1: Über Reisen und die Fotografie

Ich habe letztes Jahr schon ein paar Zeilen über dieses Thema geschrieben. Dort habe ich das „nicht-fotografieren“ ziemlich gut umsetzen und durchhalten können, wobei man nicht von durchhalten sprechen kann. Ich hatte einfach kein Verlangen danach. Vielleicht auch, da es „nur“ die Schweiz war, nicht wirklich weit weg und auch kein richtiges Ausland für mich. Ich bin mit der Bahn durch die Gegend gezuckelt und konnte mich der Landschaft freuen, welcher ich relativ leicht wieder einen Besuch abstatten kann.

In Irland war ich mit dem Thema wieder konfrontiert. Es fing schon mit dem zusammenstellen der Ausrüstung an. Das „Was soll mit?“ hat sich mir davor gar nicht wirklich gestellt, da die Rolleiflex und eventuell noch meine Polaroid in Frage kamen. Doch durch meine Arbeit kann ich mir verschiedenste Kameras ausleihen. So kam nun neben der Rolleiflex auch die Nikon F2 mit, mit welcher ich mich langsam anfreunde. Somit mussten auch zwei verschiedene Filmarten mit auf die Reise. Puh!

Da die Zeit und auch die Gegebenheiten nicht wirklich passten um in Ruhe durch das Land zu fahren, ging es auf Tagestouren um einige der tollen Orte und Landschaften mitzubekommen. Zusammengepfercht in einem Bus voller anderen Menschen ging es los. Vom Busfahrer gab es Erklärungen hier, Erkläruneng da, manchmal wurde nur zum besser gucken angehalten oder es gab 15 min Aufenthalt zum fotografieren. So ging es durch die schönste Landschaft von Irland. Zwar konnte ich mich nicht dazu bringen, aus dem Fenster zu fotografieren, wie es die anderen zum großen Teil taten. Doch ich machte auf den Stops auch das ein oder andere Knipsbild, welches ich normal nicht machen würde.

Somit fragte ich mich, fast schon während dem tun, wieso ich das überhaupt mache?!

Ich weiß doch eigentlich, dass die Bilder nichts werden können. Die Sonne stand falsch oder ich hatte zu wenig Zeit und Ruhe für die Fotos! Was will ich nur damit? Das „Ich-bin-da-gewesen“-Syndrom – aber wieso? Eigentlich lege ich darauf doch gar keinen Wert! Gruppenzwang?

So richtig an meinen Nerven haben vor allem die Cliffs of Moher gekratzt. Hier hatten wir 1,5h Aufenthalt auf welche ich mich freute, doch ich wusste nicht wie touristisch das Ganze in Wirklichkeit ist. Was auf den Fotos so friedlich und naturbelassen aussieht läuft im Hintergrund mit Besucherzeitrum, Absperrungen und wahnsinnig viel Publikum. Um die besseren Bilder von sich zu bekommen werden natürlich die Absperrungen überwunden um den Klippen so nahe wie möglich zu sein. Zwar verstehe ich das schon ein bisschen, doch in dieser Masse scheint mir das fast ein reinster Foto-Tourismus zu sein. Die wenigsten, so kommt es mir vor, genießen diesen wunderbaren Anblick und das Naturschauspiel! Man läuft an den Klippen entlang um den besten Standort für die Bilder von sich gegenseitig (oder sogar Selfi) machen zu können. Auch im Besucherzentrum gibt es eine „Postcard“-Station, wo man ein Bild von den Klippen bzw. Umgebung auswählen und sich dann vor einem grünen Hintergrund in dieses reinmontieren lassen und dann den Liebsten Zuhause per Mail schicken lassen kann. Klar, faszinierend durch die technische Spielerei ist das irgendwie schon, doch in meinem Kopf gesellt sich das wieder mal zur Fototourismus-Sparte „Ich-war-hier“ und das kann ich in dem Ausmaß einfach nicht verstehen.

Ich muss sagen, dass ich mich in dieser Foto-Touri-Rolle gar nicht wohl fühle. Fotos zu machen, für welche ich mir keine richtige Zeit genommen habe bzw. gar nicht konnte, fühlt sich so unglaublich schlecht an! In diesem Urlaub habe ich es nun, auf was für Gründen auch immer, doch getan und endgültig für mich gemerkt das es nichts für mich ist.

Wenn ihr euch fragt auf was ich hinaus möchte….tja, dass weiß ich auch (noch) nicht genau. Kann diese Sache nämlich in keine genaue Schublade einordnen. Da findet ein kontinuierliches hin und her sortieren der Gedanken und Taten statt. Wie gehe ich mit der Fotografie auf Reisen am Besten um? Ich habe noch kein einziges Landschaftsfoto aus Irland weiterverarbeitet…..kein Interesse.

Vielleicht kommt dieser Text genauso wichtigtuerisch und selbstdarstellerisch rüber wie ein Selfie vor den Cliffs of Moher, aber es muss irgendwie raus.

TEIL 2 folgt demnächst…….