Adventskalender 9 – Kamerageschichte

Es gibt den Text schon eingesprochen, aber hier mal zum lesen.

Ich merke immer wieder, dass es mir sehr weh tut wenn ich Kamerasammlungen sehe. Durch ein Tonprojekt hatte ich die Gelegenheit die ein oder andere Sammlung kennen zu lernen. Es gibt die verscheidensten dazugehörigen Charaktere und ich möchte in diesem Text auch niemanden beleidigen, beschuldigen oder verurteilen. Es ist alleine meine Einstellung zu diesem Thema.

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Wenn ihr hier so steht, mit oder ohne Glas, dann seid ihr schön anzusehen. Man spricht über euch, die gemeinsamen Erlebnisse, eure Geschichten. Ihr seid zum sehen produziert worden und nun seht ihr nur wechselnde Gesichter durch mehrere Schichten Glas.

Meist ist es noch eine zusätzliche Glasfront welche euch vom Leben trennt. Zwar habt ihr meist schon einige Jahre hinter euch, doch die meisten Gebrechen des Altes liegen noch in weiter Ferne. Trotzdem werdet ihr, anstelle selbst Geschichten aufzunehmen, meist nur angeschaut. Über euch wird geredet, von euch werden Bilder gemacht, ihr werdet untereinander verglichen und Vor- sowie Nachteile abgewogen. Mit euch wird gehandelt. Dabei seid ihr gemacht worden um die Negative und Positive dieser Welt festzuhalten. Um mit euren Besitzern lebendige Geschichte zu schreiben.

Doch manchmal werdet ihr selbst zu Geschichte und landet in kleineren oder größeren Sammlungen. Sogar Museen gibt es für euch. In letzteren sollt ihr lebdig bleiben, man soll euch kennen lernen, eure Geschichte. Doch seid ihr hier hinter Glas, ihr werdet nicht mehr wirklich gebraucht! Es ist Fassade und hier könnten auch Atrappen stehen. Die Glücklicheren von euch sind bei Privatleuten untergekommen und dürften eventuell auch ab und an die Hände auf ihren Gehäusen spüren und Momente in sich festhalten.

Eure Geschichte lebt nicht hinter Glas weiter, sondern mit euch, im Leben. Ihr seid gebaut worden um genutzt zu werden – nur dadurch bleibt eure Geschichte am leben und man wird mit und durch euch lernen.

 

Menschen

Es wird wohl ein etwas sentimentaler und glücklicher Text werden, doch meine aktuelle Stimmung muss einfach ausgenutzt werden.

Diese Stimmung erinnert mich nämlich an meine, inzwischen einige Wochen zurückliegende, BILD___reise und der viele Kontakt zu meist recht fremden Menschen. Heute hatte ich nämlich Besuch von einem Menschen, welcher mir eine sehr große Menge an Film für diese Reise zur Verfügung gestellt hat. Eigentlich war er hier um die Gegenleistung in Form eines Handabzugs abzuholen.
Doch Schlussendlich ging er ohne, es wird eine Nachlieferung werden.

Aber darum geht es nicht, sondern um den Grund unserer Bekanntschaft, welche, wie so viele, durch das Internet entstand. Es ist gerade ein sehr großes Gefühl an Dankbarkeit gegenüber den Menschen, welche direkt oder indirekt an diesem Projekt teilgenommen haben bzw. allgemein an meine Arbeiten und Projekte glauben und mir dadurch so viel Motivation geben.
Es ist nicht nur das Materialistische in Form von Film, Entwickler, Papier oder eines Übernachtungsplatzes, sondern vor allem die persönlichen Bekanntschaften, welche entstehen.
Seit dem etwas unglücklichen Ende der Reise bin ich vergleichsweise ziemlich zurückgezogen und mache mir öfters etwas Stress. Stress, wie ich denn meine Erlebnisse und die Bilder verwerte und präsentiere. Ich habe gleichzeitig das Gefühl irgendwas zeigen zu müssen, es ist ja eventuell für manche nicht ganz uninteressant, und ebenso das Gefühl diese Zeit für mich alleine behalten zu wollen.
All die tollen Begegnungen und Gespräche, welche wahrscheinlich öfters mal ausuferten, da ich gefühlt viel zu viel über mich erzählte.
Doch ich möchte diese Zeit nicht missen, wünsche mir sogar dieses Gefühl zurück, welches ich heute wieder erleben durfte. Es ist eine Art Unbeschwertheit, die ich im aktuellen Alltag oft nicht finde.
Ich fand mich in den letzten Wochen in dem großen Widerspruch wieder, in die Dunkelkammer zu wollen, jedoch komplett blockiert zu sein. Es ging aus verschiedensten Gründen nicht und das schlechte Gewissen fraß mich auf. Dazu kam der Druck nicht mehr lange hier zu sein und meine Zeit am Besten nutzen zu wollen.
Jetzt fühle ich mich wieder auf eine gewisse Art geerdet.
Ich glaube es sind die Menschen, Menschen mit gemeinsamen Interessen, welche mich und meine Ideen am laufen halten. Danke!

Nun ist es nur noch einen Monat bis zu einem neuen Leben. Ein neues Leben mit neuen Menschen, mit einem Studium voller Menschen mit gemeinsamen Interessen.
Ich freue mich. So gerne ich meinen Arbeitsplatz hab, es wird Zeit von Auftragsfotos und Photoshop Abschied zu nehmen, um endlich wieder mit anderen Meinungen, Einstellungen und Gegebenheiten konfontiert zu werden.
Wieder (fotografisch) zu leben.

Sonntagabend-Gedanken

Wenn seit den fotografischen Anfängen schon immer parallelen mit dem Auge, dem Sehen und sogar in Richtung Netzhaut (chemischer Träger) gezogen wurden, dann wird trotz aller Technik etwas Menschliches in der Funktionsweise gesehen. Zwar speichert die Technik/Kamera von selbst keine Bilder, wirft bei abgenommenem Objektivdeckel jedoch kontinuierlich Bilder, ja sogar einen Film, auf die Mattscheibe. Unzählige potenzielle Bilder, latente Bilder.

Es entsteht also nur ein Bild, sobald wir uns aktiv dazu entscheiden in dem wir den Auslöser drücken. Dafür müssen wir davor jedoch meist auch aktiv sehen. Wenn man sich nicht aktiv zur Wahrnehmung entscheidet, so sieht man auch „nichts“, wie die unempfindliche Mattscheibe der Kamera. Wie oft geht man an irgendetwas vermeintlich unscheinbarem vorbei, da man es nicht „auf dem Schirm“ hat? Da stelle ich mir die Frage wie sich meine Wahrnehmung mit und ohne „Schirm“ bzw. Mattscheibe verhält? Was sortiert mein Gehirn im Unterbewussten aus, was ich dann plötzlich auf der Mattscheibe „tatsächlich“ sehe?

Wie wirkt sich dann die Dauerbetrachtung der Welt durch das Smartphone, den Kamerasucher und den digitalen Endgeräten etc. auf die Wahrnehmung der Umwelt aus? Auf der einen Seite bietet uns diese Zwischenebene einen selektierten und beruhigten Bildausschnitt auf welchen wir uns konzentrieren können, doch auf der anderen Seite ist das Leben eben mehr als diese zweidimensionelle Betrachtungsebene.

Mir ist es klar, dass man nie auf einen gemeinsamen Nenner von Fotografie, Sehen und „die vermeintliche“ Wirklichkeit kommen wird. Doch einfach nur konsumieren von realter, fiktiver und abbildender Umwelt macht meiner Meinung nach auf einer gewissen Weise blind.

Eine allgemeine Wahrheit wird es in allen Bereichen wahrscheinlich nie geben, doch die Imagination derer ist wohl treffend als nicht richtig zu bezeichnen.

Mit Stativ, Ohne Mich

Ich bin mir durchaus bewusst, dass es seltsam ist als Architekturfotografin so gut wie nie mit einem Stativ zu fotografieren. Aber keine Sorge, ich mache mir deswegen ab und zu kleine Vorwürfe. Denn natürlich sind nicht immer alle Linien perfekt gerade wenn ich mit der Rolleiflex um den Hals durch die Straßen ziehe und fotografiere. Doch auch mit einem Stativ würde ich viele Linien nicht exakt ausrichten können, dazu ist diese Art von Kamera nicht geeignet. Aber egal, darum geht es mir nicht. Es geht darum, dass mich das Stativ bei meinen privaten Arbeiten mehr behindert als das es mir hilft.

Man benutzt es wenn man das Motiv wegen zu wenig Licht nicht aus der Hand fotografieren kann, man exakte, gerade Linien haben oder in Ruhe sich dem Motiv widmen möchte etc. Doch durch den Aufbau dieses Statives legt man gleich viel mehr Bedeutung, da Mühe, in das Bild. Genau an dem Punkt ertappe ich mich, denn so viel Bedeutung mag und kann ich meist nicht in meine Bilder legen – ich würde sie schlussendlich nicht aufnehmen. Ja, ich bin faul! Doch ein Stativ passt gerade einfach nicht zu meiner üblichen Arbeitsweise.

Ich ziehe meist mit der Rolleiflex über der Schulter durch die verschiedensten Städte. Schon meine Fototasche ist gerade an der Genze des er“trag“baren und so stopfe ich Filme und Belichtungsmesser in irgendwelche Jacken- und Hosentaschen oder in einen Jutebeutel. Rucksäcke mag ich nicht, auch Wechseloptiken und zu viel Schnickschnack führen dazu, dass ich nicht mehr fotografieren möchte. Muss ich da noch erwähnen wie es mir mit einem Stativ geht? Wohl eher nicht. Denn der Moment des Fotografierens soll unmittelbar und ohne zu viele Störungsquellen geschehen.
Ich, Belichtungsmesser, Kamera -> Bild. Fertig.

Ich lege oft viele Kilometer zurück ohne zu wissen wann und ob ein fotografierbares, bzw. sich lohnendes, Motiv kommt. Da auf gut Glück ein Stativ mitzuschleppen, da würde ich wahnsinnig werden und hätte schon bald keine lust mehr. Und wenn ich unzufrieden bin, dann sehe ich auch keine Motive mehr.

Die durchaus berechtigten Argumentationen für die Arbeit mit einem Stativ ziehen bei mir nicht. Ich habe nämlich kein Problem damit einfach mal nicht zu fotografieren. Wenn ich weiß, dass ich dieses Bild nicht zufriedenstellend aufnehmen könnte, komme ich einfach wieder oder lasse es eben bleiben. Zudem sehe ich es nicht als Schandtat die Linien nachträglich zu begradigen, zur Not auch mal mit dem teuflischen Photoshop.

Aber, fotografieren und fotografieren lassen.