Adventskalender 12 – Text über meine Arbeit

Als ich vor einiger Zeit eine Freundin fragte, was sie denn als neuen Text interessieren würde, kam zurück: Wie du auf deine vielen Ideen kommst, dass würde mich interessieren!
Das ist jedoch wirklich nicht leicht für mich, da ich keinen Eindruck schinden möchte in der Art „Schaut her, so geht’s. Ich bin die Beste“. Zwar weiß ich, dass ich hier und da reicht gute Ideen habe…..doch darüber zu schreiben, ist das nicht etwas komisch?

Nun sitze ich wirklich vor meinem janalogen Notizbuch und sinniere über meine Arbeitsweise und werde nun versuchen meinen Knoten im Hirn zu entwirren.
Etwas anderes ist es doch auch nicht, dass kennt doch sicher jeder. Will man unbedingt auf eine neue Idee kommen, dann klappt es nicht.
Das ist für mich oft eine große Last. In den letzten zwei Jahren hatte ich vier Tage in der Woche Zeit für meine eigenen Arbeiten – was für ein Luxus mag sich nun wohl einer denken.
Aber mein Kopf braucht die Zeit um in Gang zu kommen. Doch nicht nur das, er braucht Bewegung und die passende Örtlichkeit. Sitze ich nämlich „Zuhause“ oder bei meinen Eltern, dann geht meist wenig bis nicht in meinem Kopf. Ich muss etwas tun, erst dann wird die Muse wach und erbarmt sich vielleicht doch noch zu einem Kuss!
Ein Blatt weißes Papier, davor hatte ich schon im Kunstunterricht bammel, ja gar eine regelrechte Lähmung.
Ich brauch Vorlagen, Inspiration – das Hirn muss sich warm laufen. Es ist nahezu egal was es ist – visuelle Reize müssen her. Am besten an inspirierenden Orten oder mit den passenden Menschen. Erst dann ist mein Hirn wohl auf Empfang gestellt und kann das auch verarbeiten.
Ganz groß ist auch das Bahnfahren. Im ICE am Fenster mit Tisch – da rotieren die Gedanken nur so. Es ist oft eine magische Zeit, denn man tut indirekt schon was bzw. lässt sich fahren. Man kann nicht sonderlich viel machen und die Hirnknoten des Alltags können nicht aufkommen.
Ich brauche zudem in dem Moment kein schlechtes Gewissen zu haben, dass ich mich meinen Gedanken überlasse, mich treiben lasse. Und nicht gerade entscheiden muss ob ich in die Dunkelkammer gehe, das gute Wetter zum fotografieren nutze oder nicht doch eigentlich aufräumen müsste. In diesen Momenten bin ich meistens recht ungestört mit meinem Kopf.

Da meine Themen sich mit der analog-fotografischen Welt beschäftigen inhaliere ich nahezu jede Inspirationsquelle. Seien es alte Kamerakataloge, Fotomagazine, theoretisch-philosophische Bücher, entsprechende Veranstaltungen, Museumsbesuche oder eben Gespräche mit tollen Menschen.
Dabei muss es jedoch nicht immer direkt um die (analoge) Fotografie gehen – oft blockieren mich Fotoausstellungen im klassischen Sinne sogar.

Adventskalender 9 – Kamerageschichte

Es gibt den Text schon eingesprochen, aber hier mal zum lesen.

Ich merke immer wieder, dass es mir sehr weh tut wenn ich Kamerasammlungen sehe. Durch ein Tonprojekt hatte ich die Gelegenheit die ein oder andere Sammlung kennen zu lernen. Es gibt die verscheidensten dazugehörigen Charaktere und ich möchte in diesem Text auch niemanden beleidigen, beschuldigen oder verurteilen. Es ist alleine meine Einstellung zu diesem Thema.

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Wenn ihr hier so steht, mit oder ohne Glas, dann seid ihr schön anzusehen. Man spricht über euch, die gemeinsamen Erlebnisse, eure Geschichten. Ihr seid zum sehen produziert worden und nun seht ihr nur wechselnde Gesichter durch mehrere Schichten Glas.

Meist ist es noch eine zusätzliche Glasfront welche euch vom Leben trennt. Zwar habt ihr meist schon einige Jahre hinter euch, doch die meisten Gebrechen des Altes liegen noch in weiter Ferne. Trotzdem werdet ihr, anstelle selbst Geschichten aufzunehmen, meist nur angeschaut. Über euch wird geredet, von euch werden Bilder gemacht, ihr werdet untereinander verglichen und Vor- sowie Nachteile abgewogen. Mit euch wird gehandelt. Dabei seid ihr gemacht worden um die Negative und Positive dieser Welt festzuhalten. Um mit euren Besitzern lebendige Geschichte zu schreiben.

Doch manchmal werdet ihr selbst zu Geschichte und landet in kleineren oder größeren Sammlungen. Sogar Museen gibt es für euch. In letzteren sollt ihr lebdig bleiben, man soll euch kennen lernen, eure Geschichte. Doch seid ihr hier hinter Glas, ihr werdet nicht mehr wirklich gebraucht! Es ist Fassade und hier könnten auch Atrappen stehen. Die Glücklicheren von euch sind bei Privatleuten untergekommen und dürften eventuell auch ab und an die Hände auf ihren Gehäusen spüren und Momente in sich festhalten.

Eure Geschichte lebt nicht hinter Glas weiter, sondern mit euch, im Leben. Ihr seid gebaut worden um genutzt zu werden – nur dadurch bleibt eure Geschichte am leben und man wird mit und durch euch lernen.

 

Menschen

Es wird wohl ein etwas sentimentaler und glücklicher Text werden, doch meine aktuelle Stimmung muss einfach ausgenutzt werden.

Diese Stimmung erinnert mich nämlich an meine, inzwischen einige Wochen zurückliegende, BILD___reise und der viele Kontakt zu meist recht fremden Menschen. Heute hatte ich nämlich Besuch von einem Menschen, welcher mir eine sehr große Menge an Film für diese Reise zur Verfügung gestellt hat. Eigentlich war er hier um die Gegenleistung in Form eines Handabzugs abzuholen.
Doch Schlussendlich ging er ohne, es wird eine Nachlieferung werden.

Aber darum geht es nicht, sondern um den Grund unserer Bekanntschaft, welche, wie so viele, durch das Internet entstand. Es ist gerade ein sehr großes Gefühl an Dankbarkeit gegenüber den Menschen, welche direkt oder indirekt an diesem Projekt teilgenommen haben bzw. allgemein an meine Arbeiten und Projekte glauben und mir dadurch so viel Motivation geben.
Es ist nicht nur das Materialistische in Form von Film, Entwickler, Papier oder eines Übernachtungsplatzes, sondern vor allem die persönlichen Bekanntschaften, welche entstehen.
Seit dem etwas unglücklichen Ende der Reise bin ich vergleichsweise ziemlich zurückgezogen und mache mir öfters etwas Stress. Stress, wie ich denn meine Erlebnisse und die Bilder verwerte und präsentiere. Ich habe gleichzeitig das Gefühl irgendwas zeigen zu müssen, es ist ja eventuell für manche nicht ganz uninteressant, und ebenso das Gefühl diese Zeit für mich alleine behalten zu wollen.
All die tollen Begegnungen und Gespräche, welche wahrscheinlich öfters mal ausuferten, da ich gefühlt viel zu viel über mich erzählte.
Doch ich möchte diese Zeit nicht missen, wünsche mir sogar dieses Gefühl zurück, welches ich heute wieder erleben durfte. Es ist eine Art Unbeschwertheit, die ich im aktuellen Alltag oft nicht finde.
Ich fand mich in den letzten Wochen in dem großen Widerspruch wieder, in die Dunkelkammer zu wollen, jedoch komplett blockiert zu sein. Es ging aus verschiedensten Gründen nicht und das schlechte Gewissen fraß mich auf. Dazu kam der Druck nicht mehr lange hier zu sein und meine Zeit am Besten nutzen zu wollen.
Jetzt fühle ich mich wieder auf eine gewisse Art geerdet.
Ich glaube es sind die Menschen, Menschen mit gemeinsamen Interessen, welche mich und meine Ideen am laufen halten. Danke!

Nun ist es nur noch einen Monat bis zu einem neuen Leben. Ein neues Leben mit neuen Menschen, mit einem Studium voller Menschen mit gemeinsamen Interessen.
Ich freue mich. So gerne ich meinen Arbeitsplatz hab, es wird Zeit von Auftragsfotos und Photoshop Abschied zu nehmen, um endlich wieder mit anderen Meinungen, Einstellungen und Gegebenheiten konfontiert zu werden.
Wieder (fotografisch) zu leben.

Sonntagabend-Gedanken

Wenn seit den fotografischen Anfängen schon immer parallelen mit dem Auge, dem Sehen und sogar in Richtung Netzhaut (chemischer Träger) gezogen wurden, dann wird trotz aller Technik etwas Menschliches in der Funktionsweise gesehen. Zwar speichert die Technik/Kamera von selbst keine Bilder, wirft bei abgenommenem Objektivdeckel jedoch kontinuierlich Bilder, ja sogar einen Film, auf die Mattscheibe. Unzählige potenzielle Bilder, latente Bilder.

Es entsteht also nur ein Bild, sobald wir uns aktiv dazu entscheiden in dem wir den Auslöser drücken. Dafür müssen wir davor jedoch meist auch aktiv sehen. Wenn man sich nicht aktiv zur Wahrnehmung entscheidet, so sieht man auch „nichts“, wie die unempfindliche Mattscheibe der Kamera. Wie oft geht man an irgendetwas vermeintlich unscheinbarem vorbei, da man es nicht „auf dem Schirm“ hat? Da stelle ich mir die Frage wie sich meine Wahrnehmung mit und ohne „Schirm“ bzw. Mattscheibe verhält? Was sortiert mein Gehirn im Unterbewussten aus, was ich dann plötzlich auf der Mattscheibe „tatsächlich“ sehe?

Wie wirkt sich dann die Dauerbetrachtung der Welt durch das Smartphone, den Kamerasucher und den digitalen Endgeräten etc. auf die Wahrnehmung der Umwelt aus? Auf der einen Seite bietet uns diese Zwischenebene einen selektierten und beruhigten Bildausschnitt auf welchen wir uns konzentrieren können, doch auf der anderen Seite ist das Leben eben mehr als diese zweidimensionelle Betrachtungsebene.

Mir ist es klar, dass man nie auf einen gemeinsamen Nenner von Fotografie, Sehen und „die vermeintliche“ Wirklichkeit kommen wird. Doch einfach nur konsumieren von realter, fiktiver und abbildender Umwelt macht meiner Meinung nach auf einer gewissen Weise blind.

Eine allgemeine Wahrheit wird es in allen Bereichen wahrscheinlich nie geben, doch die Imagination derer ist wohl treffend als nicht richtig zu bezeichnen.