Bilderflut

Ich fühle mich gerade, als würde ich in meiner ganz persönlichen Bilderflut untergehen. Wie spontane Regenschauer, ja gar Gewitter, prasseln die Bilder anstelle von Tropfen auf mich herunter.
Es sind nicht immer Neue, sondern es verhält sich wie ein Wasserkreislauf – nur, naja, doch etwas anders.

Neulich wollte ich mir ein Mantra auferlegen: Keine neuen Fotos, bis die alten verarbeitet sind. Doch so ganz wollte das nicht klappen – ich kann doch nicht nicht fotografieren! Denn wenn ich es nicht tue, dann nagt das schlechte Gewissen an mir.
Ich habe mein Fotografie-Studium im Nacken und irgendwie dadurch besonders das Gefühl produzieren zu müssen. Nicht nur neues Material auf Film, sondern auch Abzüge der vielen angehäuften Negative. Fotografieren, Entwickeln, Belichten, Fotografieren, Entwickeln, Bel…..
Doch es fällt mir schwer!
Ich gehe in die Dunkelkammer und printe auf meist kleines Papier. Zwar freue ich mich schon über die Resultate, aber gerade fehlt mir der Sinn dahinter.
Ich sitze in einem tollen Boot voller Möglichkeiten, dem Fotolabor, doch fehlt mir der (richtige) Kurs. Es ist ein zielloses herumirren, bei welchem ich ab und an auf Inseln stoße – doch richtiges Land ist nicht zu sehen.
Der Wasserspiegel im Boot steigt kontinuierlich. Ich brauche ein Ziel und Klarheit im Kopf um den Wasserstand zu senken. Das Studium als Sinn alleine reicht nicht aus, denn dieses hat mich erst ins große Meer gesetzt. Davor hatte ich mein kleines Boot auf einem See und dadurch das Land bzw. Ufer eher im Blick.

Auf zu neuen Ufern! Wie sehr ich mir dies jahrelang gewünscht habe. Vielleicht bin ich auch nur zu ungeduldig und muss lernen diese Situation auszuhalten, das man eben eine gewisse Zeit für die Reise braucht, bis man Land sieht.
Ich könnte mich jedoch gerade vor lauter Bildern übergeben und habe keine Ahnung wie ich diese Seekrankheit akut in den Griff bekommen kann.

Bildblind (2017)

Falls du es lesen solltest, lieber Chef. Es war eine sehr schöne Zeit, aber ich hatte einfach ein Problem. Du wusstest es und hast dich nie darüber beschwert, danke dafür – es tut mir aber trotzdem sehr leid.

Manchmal mag ich nicht mehr. Sehen, es ist so furchtbar anstrengend.
Seitdem ich wieder in fotografischem Lohn stehe nimmt ein Problem zu, die Bildblindheit!
An manchen Tagen sitze ich in meiner Arbeitszeit acht Stunden vor dem Monitor, genauer gesagt an Photoshop. Irgendwann kann und mag ich nicht mehr, ich sehe das jeweilige Bild nicht mehr richtig. Aus diesem Grund mache ich Auftragsbilder sehr ungern an einem Tag fertig, der frische Blick vom nächsten Tag muss unbedingt her. Doch dann geht es wieder von vorne los. Es ist nicht nur eine Lustlosigkeit, sondern mir wird manchmal richtig übel, bekomme doofe Laune und will das jeweilige Bild eigentlich gar nicht mehr anschauen.
Manchmal habe ich das Gefühl diesem Beruf nicht gewachsen zu sein. Klar, Fotografie ist mein Leben und ganz schlecht bin ich in dieser Sache nicht. Da bin ich mir bewusst, doch es wird mir oft zu viel.
Dann sehe ich die noch so korrekturbedürftigen Sachen bzw. Fehler nicht mehr und eine große Unzufriedenheit stellt sich dadurch ein.
Dadurch, dass jeder anders sieht gibt es in diesem Beruf in vielen Bereichen kein generelles richtig und falsch. Es ist zwar auf der einen Seite ein Abarbeiten eines Arbeitsablaufes, doch da jedes Bild anders ist, gehen hier viele Entscheidungen mit ein. Entscheidungen, welche ich selbst für „fremde“ Bilder nicht treffen mag und kann – und manchmal auch einfach nicht mehr sehe.

Bei meinen eigenen Arbeiten ist es wesentlich leichter. Hier kann ich aufhören wenn ich auf das bzw. die jeweiligen Bild(er) gerade nicht klar komme. Auf der Arbeit bin ich den Bildern irgendwie ausgeliefert, ich „muss“ ja arbeiten Es ist ein Job, ich sollte mich zusammenreißen. Das ist jedoch nicht immer gut machbar und wenn ich mich in manchen Momenten dazu zwinge, dann geht es mir wie eben beschrieben.
Ich hab keine Ahnung in wie weit dies normal ist und mich einfach blöd anstelle. Genau dies wurde mir schon, jedoch nicht auf Arbeit, vorgeworfen wenn ich davon erzählte.
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Schlussendlich mache ich es ja, also meine Arbeit, doch die Zweifel kommen immer wieder hoch.
Ist diese Bildblindheit nicht doch vielleicht als Zeichen zu deuten, einen anderen Beruf zu wählen? Die Bilder bleiben im Leben, doch weniger und anders, privater. Oder ist dieses Problem doch nicht normal und ich sollte schauen wo denn die Wurzel ist?
Denn eigentlich mag ich meinen Job doch, er gehört zu mir – Bildblindheit hin oder her!

Blickkontakt mit mir selbst

Das Bild beziehungsweise die Fotografie wird im Ausstellungskontext meist schön passpartouiert, gerahmt und hinter Glas ausgestellt. Der wertvolle Druck bzw. Handabzug soll somit, am besten so archiv- und farbsicher wie möglich, vor Umwelteinflüssen geschützt werden.
Doch wird das Foto hier nicht ziemlich stark aus dem Leben gezogen? Ein Medium, welches doch genau für diese lebensnahe und „realistische“ Wiedergabe bekannt und geschätzt ist.
Man steckt es mit Passepartout und Rahmen in eine spezielle Situation um es hochwertiger wirken zu lassen. Wird das Einzelbild dies dadurch tatsächlich oder ist es ein aufgezwungener Schein?

Meiner Meinung nach passiert hier jedoch noch etwas schwerwiegendes, denn das schützende Glas, es betrifft auch das sogenannte Museumsglas, legt sich wie eine „durchsichtige“ Haut über das Foto. Doch der durchsichtige Schein trügt, bzw. ganz im Gegenteil: Er präsentiert die knallharte Gegenwart in seiner Spiegelung.
Je nach Standpunkt sieht man sich trotz Museumsglas selbst an. Man selbst kann eigentlich zwar entscheiden, welches der beiden Bilder man fokussieren möchte – aber die gespiegelte Realität drängt sich dem Betrachter doch geradezu auf!
Durch diese Präsentationsart wird oft ein sehr störendes Doppelbild geschaffen – alleinig aus Schutzgründen gegenüber dem Bild?
Ich persönlich finde es fies gegenüber dem Bild, die unmögliche Situation zu schaffen, dass man sich nicht alleine auf eben dies konzentrieren kann.

Adventskalender 21: Tor des Lichtes

Eine Gedanken-Wortskizze.

Die Nutzung eines Kameraverschlusses verursacht zusätzlich immer klangbar gemacht Zeit – bzw. eine Zeitspanne in welcher die Kameratechnik den Weg für das Licht hin zur Aufnahme durch die Chemie bzw. des Chemieträgers freigibt. Es ist sozusagen ein Tor des Lichtes.
Wie ein Gartentor, welches beim öffnen und schließen ein für sich typisches Geräusch hinterlässt, welches sich im Laufe der Zeit verändert.
So hinterlässt die Zeitspanne der Nutzung, oder auch Nichtnutzung, an jedem (physischen) Gegenstand Spuren. Wie eine Patina an der Oberfläche die Zeit verrät, so sind es auch kleine Veränderungen der Geräusche bei der Nutzung.
Lässt dies Rückschlüsse auf die Individualität eines Gebrauchsgegenstandes zu? Ein Wesen der Dinge?

Adventskalender 15 – Fotoleerbücher

Ich habe meinen freien Tag und sitze in der Stadtbibliothek, ganz nah bei den „Fotolehrbüchern“. Diesen Spaß gönne ich mir ab und an, auch wenn ich weiß, dass ich davon schlechte Laune bekomme.
Titel wie „Der Weg zum perfekten Foto“ oder „Fotorezepte“ lösen bei mir immer eine nahezu aggressives Verhalten aus. Doch warum? Bin ich einfach nur arrogant und alles andere als tolerant?

In meinem Kopf schwirren viele Gedanken dazu herum und ich mache mir gleichzeitig deswegen selbst Vorwürfe. Hab ich denn nicht gut reden, da ich schließlich eine fotografische Ausbildung habe?
Verschließe ich mich „Neuem“ und bin schon zu sehr in diesem Bereich vorbelastet?
Das kann ich selbst natürlich nicht beantworten, doch ich mag generell keine Ratgeber – es sind, so glaube ich, vor allem die unterschwelligen Botschaften, welche bei solchen Publikationen mitschwingen.
Als wäre das, genau so wie es es dort schwarz auf weiß geschrieben ist, und nur das, richtig. Als hätte der Autor die Weisheit mit dem Löffel gefressen und gut vorgekaut. Der Leser muss sein Kopf nicht mehr anstrengen und den Wissensbrei einfach nur noch schlucken.

„Mit diesen 5 Tipps machen Sie bessere Fotos mit ihrem Smartphone“, so oder so ähnlich sieht man es auch im Internet. Weiter geht es mit „50 Fotografen, die man kennen sollte“, welches hier im Regal steht. Perfekt, besser, DIE 5, 10, 50 besten, tollsten, bekanntesten……– diese Worte und Zahlen symbolisieren meiner Meinung nach so viel. Als gäbe es den einen, richtigen, Weg.
Man nehme das Licht, positioniere es so, einen schönen Menschen dazu, ein bisschen Zauber der Visagistin, natürlich noch eine gute Kamera – fertig ist das perfekte Portrait! Wie nach einem Kuchenrezept, nur haltbarer!

Ich verstehe es nicht, aber gleichzeitig mich selbst auch nicht! Zwar bin ich in meiner Ausbildung auch durch manch „Regelwerke“ gegangen, doch dies hat mich damals schon gestört.
Ich war nicht schlecht, doch einfach keine brave und gehorsame Handwerkerin.
Ja, das hört sich vielleicht danach an, als würde ich mich und meine Art zu fotografieren bejubeln und alles andere verachten…..doch so meine ich es nicht.
Ehrlich. Ich versuche offen zu sein, doch sobald jemand zu mir tritt, mit den Worten wie „du musst“, „du sollst“, „so und nicht anders“, dann sperre ich.
Mir wäre viel Frust und Ärger erspart geblieben, wenn ich brav alles wie im Lehrbuch abgearbeitet und umgesetzt hätte. Doch ist das immer der richtige Weg?
Ich bin unsicher und mag mich dennoch nicht beugen, mit Knoten im Kopf.