1971 – Wenn der Film spricht

1971-3, Mosch Center Karlsruhe

Ich hatte einen 1971 abgelaufenen Ilford HP3 geschenkt bekommen und wollte ihn umbedingt ausprobieren. Das Wetter war wunderbar, in den Fingern juckte es – doch die Motivation lies mal wieder zu wünschen übrig. Denn die lästige Frage was ich denn überhaupt fotografieren möchte schwebte über mir und bremste mich mal wieder komplett aus. Doch ich gab mir einen Ruck und stand dann jedoch planlos vor der Haustüre – rechts oder links?
Die Kamera war mit dem abgelaufenen Film geladen, doch ich wollte nicht einfach irgendwas darauf fotografieren. So kam mir die Idee mich auf den Film komplett einzulassen und ihn in seinem Sinne zu belichten.
Ich lief links auf ein Gebäudekomplex zu, welchen ich jeden Morgen aus meinem Badfenster sah und der mich vom Baustil schon immer ansprach. Ohne es genau zu wissen ahnte ich, dass die Architektur in den passenden zeitlichen Rahmen fällt. So widmete ich den Film komplett diesem Gebäudekomplex und stellte Zuhause fest, dass tatsächlich alles passte. Als der Film „ablief“ war dieser gerade im Bau und wurde 1972 fertiggestellt.

Die komplette Serie dieses Filmes gibt es HIER (oder auf das Foto klicken)

„Ich sehe was, das du nicht siehst“

Alles hat damit angefangen, dass der Marco so wenig fotografiert. Zwar bin ich selbst sehr wählerisch und motivschwierig, doch wenn ich anderen schöne und ihnen noch unbekannte Orte zeige, dann wundert mich dieses „nicht-fotografieren“ durchaus. Klar sind diese Gedanken irgendwie komisch und meiner Einstellung komplett entgegengesetzt, doch da ich diese habe musste ich einfach handeln.

Die Grundidee basiert auf der Halbformatkamera, welche sich gerade bei mir in „Pflege“ befindet. Da es bei Marco durchaus sehr lange dauern kann, bis dieser einen KB-Film voll hat, fand ich es reizvoll ihn mit der doppelten Bildladung zu konfrontieren. Er sollte diesen Film mit den circa 72 Bildern in einem Tag durchziehen (voll machen).

Ich bin zwar eine Verfechterin des überlegten Bildes, doch ein bisschen Seh- und Fotografiegymnastik kann ab und zu nicht schaden. Es soll ja auch kein wahlloses Drauflosgeknipse sein, sondern als Außeinandersetzung mit Motiven, welche man eigentlich (freiwillig) nicht fotografieren würde, gesehen werden. Gerade dazu finde ich diese Kamera genial, denn die entstehenden Bilder sind nicht teuer und es fotografiert sich mit dieser Kamera einfach recht locker und flockig – aber trotzdem anders als digital. Schussendlich haben wir die ursprüngliche Idee etwas abgewandelt bzw. weitergesponnen. Es wurde ein fotografisches „Ich sehe was, das du nicht siehst“ daraus. Wir zogen gemeinsam durch die Straßen von Berlin, er mit und ich ohne Kamera. Jedes Mal wenn ich etwas für mich interessantes sah, sagte ich mein kleines Sprüchlein, guckte in die entsprechende Richtung und/oder gab ein oder mehrere Motivtipps. Ich war sehr auf die Ergebnisse gespannt und darauf wie sehr unsere Sehweisen sich unterscheiden bzw. die Bilder welche ich in meinem Kopf hatte.

Ich möchte hier selbst nicht als bessere oder allwissende Fotografin auftreten, sondern sehe es als gegenseitiges Lernprojekt und als Motivation mal von den eingestampften Gewohnheiten und Sichtweisen abzukommen. Denn die Fotografie sollte nicht immer so furchtbar bitterernst sein. Das wird mir viel zu oft so gehandhabt. Manchmal, so finde ich es zumindest, sollte man auch einfach sein Hirn ausschalten und tun – daraus entstanden für mich persönlich schon so viele gute Erfahrungen.

Eine kleine Meinung vom Marco Wittkopf :

„Ich sehe was, das du nicht siehst. Ich fotografiere ja nicht alles. Aber wenn man mal dazu getrieben wird durch die Augen oder den Sucher eines anderen zu schauen, eröffnen sich einem eine Palette an Motiven, an welche man vorher nie gedacht hätte. Ich kann im nachhinein sagen, dass ich dadurch mehr gelernt habe als durch jede andere Aktion. Jetzt entdecke ich auch beim spazieren viel mehr Motive als vorher. Danke dafür“

Zusammenfassung 16: Darmstadt und Deidesheim

janalog-unterwegsDARMSTADT. Letzten Freitag war, wieder Name schon sagt, mein freier Tag und dieser wurde dafür genutzt um mal wieder unterwegs zu sein. Dieses Mal ging es nach Darmstadt in das/die offizin, wo Armin Oehmke, welchen ich letztes Jahr auf dem Fineartforum in Paderborn kennen lernte, ein Praktikum macht. Zwar steht dieses Projekt noch ziemlich am Anfang und die tolle Lichtdruckmaschine noch nicht an ihrem eingeplanten Platz, aber die Räumlichkeit ist da und die Motivation groß. Denn dies ist das Ziel: Eine Lichtdruckmaschine in Betrieb zu nehmen und damit wunderbare Drucke zu machen! Vor Ort gibt es bisher schon einen Verkaufsraum, Ausstellungsflächen, ein kleines Studio, eine (Druck)Werkstatt sowie eine (Miet)Dunkelkammer. Viel Platz um sich auszutoben, welches auch in geplanten Workshops für jedermann angedacht ist. Ich hoffe, dass das/die offizin ihren Weg gehen und viele Menschen glücklich machen wird!

Mich machte das Team auf jeden Fall schon glücklich, denn während meinem Besuch keimte spontan die Idee bzw. Frage auf, ob man eine Cyanotypie auch auf der Haut machen könnte. Kinder bitte nicht nachmachen, ist wahrscheinlich nicht ganz so gesund…..aber ich konnte es mir dann nicht verkneifen. Bleibt auch bei diesem einen Mal! Danke an das Team und an Armin für die Dokumentation. Inzwischen bin ich nicht mehr blau, aber auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher. Es hat wirklich ordentlich gehoben, wobei ich Abends meinen Arm geschrubbt habe. Die Aktion war mir dann doch etwas suspekt, muss ich mal ehrlich zugeben. Leider wurde es kein richtiges Bild vom Negativ, sondern nur ein bisschen janalog.

offizin darmstadtwww.facebook.com/offizindarmstadt

DEIDESHEIM. Am Samstag fuhr ich zudem noch in die schöne Pfalz, genauer gesagt nach Deidesheim. Dort besuchte ich die Vortragsveranstaltung vom Deutschen Foto- und Filmtechnik Museum zum Thema Farbfotografie. Dieses Thema beschäftigte mich in meinen eigenen Arbeiten bisher eher weniger und da ich selbst wahrscheinlich keine ausführliche Lektüre dazu lesen würde, kam mir die Veranstaltung gerade recht. Der Festvortrag am Vormittag ging auf die Geschichte der Farbfotografie ein und gab mir als Jungspund einen guten Einblick in all die verschiedenen Filme und deren Farbwirkungen. Faszinierend fand ich die Gegenüberstellung von den Aufnahmen, welche in all den Jahren ihre Farbigkeit verändert hatten, jedoch aber wieder Rekonstruiert wurden! Der Vortrag basierte auf Dias,  von Repros und Originalen, was ich aus meiner Schulzeit noch als sehr verstaubte Angelegenheit im Kopf hatte. Hier hat es jedoch gut gepasst und war angenehmer als so manche Powerpoint-Präsentation.

Doch am besten haben mir mal wieder die Vorträge gefallen, welche nicht so sehr auf die technischen Seiten fixiert sind. So überzeugten mich „Autochrome-Fotografie von Heinrich Kühn“ von Dr. phil. Sandra Abend, „Kodachrome – der Film der Fotojournalisten“ von Michael Ebert sowie „Künstlerische Positionen der Farbfotografie“ von Dr. phil. Claude W. Sui mit am besten. Die später folgenden Themen waren mir zu technisch und zudem aus meiner Fotoschulzeit sowie der alltäglichen Arbeit schon bekannt.

Insgsammt bin ich jedoch froh teilgenommen zu haben, auch wenn ich wahrscheinlich mit Abstand die jüngste Teilnehmerin war. Trotz allem fand ich die Veranstaltung, ohne es böse zu meinen, ziemlich spießig. Aber das ist schon ok so und gehört hier wohl einfach mit dazu. Das Museum reiht sich da mit ein und löste in mir ein paar Alarmglocken aus. Ich finde es sehr löblich, dass das Museum hauptsächlich von Ehrenamtlern betreut wird, doch auch hier ist der Altersdurchschnitt sehr weit oben ansetzt. Das macht mich immer ein bisschen traurig und ich sorge mich um die Zukunft solcher toller Institutionen. Das ist wohl noch ein Überbleibsel von meinem Ausflug in das Kultur- und Medienpädagogik Studium. Denn es schwirren mir sofort Gedanken und Fragen im Kopf herum wie man jüngere Leute in das Museum bekommt……..

Mal schauen, vielleicht fällt mir noch etwas sinnvolles ein. Trotzdem ist das Museum einen Besuch wert, denn es reiht sich sehr gut in das Städtchen Deidesheim ein. Deidesheim gehört nämlich zur Cittaslow-Vereinigung/Bewegung und ist

„…eine Stadt, in der Menschen leben, die neugierig auf die wieder gefundene Zeit sind, die reich ist an Plätzen, Theatern, Geschäften, Cafés, Restaurants, Orten voller Geist, ursprünglichen Landschaften, faszinierender Handwerkskunst, wo der Mensch noch das Langsame anerkennt, den Wechsel der Jahreszeiten, die Echtheit der Produkte und die Spontaneität der Bräuche genießt, den Geschmack und die Gesundheit achtet…“

(Quelle: Cittaslow Manifest)

Deutsches Foto- und Filmtechnik Museum  |  www.facebook.com/dftm.de

 

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