Vom Abgeben

Im letzten Sommer wurde ich von einem Freund zu seiner Hochzeit eingeladen und gefragt, ob ich diese nicht fotografisch begleiten würde. Intuitiv sagte ich im ersten Moment ab, da ich seit einer gefühlten Ewigkeit keine Menschen mehr fotografiert hatte und es als eine zu große Aufgabe sah. Inzwischen habe ich meine Leidenschaft in der Architekturfotografie gefunden und da sich das ziemlich von lebenden Motiven unterscheidet reiß ich mich nicht um solche Aufträge.

Doch da ich das Paar so gerne habe und mit ihnen schlussendlich abgesprochen hatte, dass das ganze Projekt ein Hochzeitsgeschenk sein sollte, mit kreativem Freiraum und ohne hochgeschraubte Erwartungen, freute ich mich sogar darauf.
Ich hatte dafür ein kleines Projekt geplant und so ging es mit meiner Polaroid Land Camera 230 auf die Hochzeit, welche in einem wunderschönen Garten stattfand. Es entstanden einige Polaroids, welche jedoch nicht nur das Brautpaar abbildeten, sondern auch diesen besonderen Ort mit all den zauberhaften Ecken.
Zusätzlich zu den Polaroids fertigte ich von der Negativseite Abdrücke auf Papier an. Eigentlich hatte ich geplant ein kleines Album zu gestalten, doch im Laufe des Tages entstanden weniger Bilder als ursprünglich gedacht.
Auf meine Frage, ob das Brautpaar die Bilder auch in digitaler Form (= Scans) haben möchte, verneinten sie diese. Somit wechselten die Polaroids und Abdrücke in einer passenden alten orangefarbenen Agfa-Filmschachtel, zu meiner Freude auch die Hochzeitsfarbe, die Besitzer.
Es war eine bewusste Entscheidung auch für mich selbst keine Scans oder Fotos von den Bildern zu machen. Somit sind und bleiben diese Bilder Originale.

Auch wenn ich die Bilder niemandem mehr zeigen kann, so hat das für mich einen sehr großen Wert. Es war das Geschenk an zwei besondere Menschen und ich möchte diese Geste nicht mit einer Veröffentlichung bzw. Reproduktion kaputt machen. Denn meines Erachtens ist der Fakt des Originals der Wert, welchen es in der digitalen Zeit nicht mehr so oft gibt und welchen ich mit solchen kleinen Gesten erhalten möchte.

Danke an euch M & N, es war ein so schöner und besonderer Tag. Für euch, für mich und bestimmt für alle anderen Gäste auch.

Analoge Gedanken

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Eigentlich hatte ich vor, hier vor allem persönliche Gedanken zur Fotografie zu veröffentlichen. Jedoch habe ich mich entschieden erstmal noch eine Weile in meinem janalogen Notizbuch zu sammeln, da diese Gedanken oft abschweifen, sich überschneiden oder allgemein ziemlich wirr sind.

Mir ist der theoretische Aspekt der Fotografie ziemlich wichtig, also wird da auf jeden Fall noch was kommen. Jedoch gehe ich nun in die Sammelphase um ein bisschen anspruchsvollere Texte für mich zu schreiben.

Das Leben ist Laut

Damit meine ich nicht die ganzen Geräusche, welche wir hören. Nein. Egal wohin ich blicke, überall schreit mir die Buntheit der Dinge entgegen.
Ein Spaziergang durch die Stadt ähnelt einem lauten Basar. Überall buhlen Schilder und Werbungen um meine Aufmerksamkeit. Dabei wird mit Größe, Formen und Farben nicht gespart.

Als Fotografin visuell geprägt, gehe ich mit offenen Augen durch die Welt. Stetig auf der Suche nach Schönem. Zu meinem Nachteil finde ich meine Lieblingsmotive Hauptsächlich in urbanen Regionen. Oder ist es nicht doch eine Herausforderung?
In diesem Konsumdschungel bahne ich mir mit der Kamera den Weg und versuche die Lautstärke zu ignorieren, welche um mich herum herrscht.
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Mit meiner schon etwas betagten analogen Kamera zur Entschleunigung gezwungen, bin ich auf der Suche nach Linien. Ruhe inmitten der Werbewelt. Da mir Farben inzwischen generell zu laut und aufmerksamkeitsraubend sind, fotografiere ich fast nur noch Schwarzweiß.
Diese Ruhe in meinen Bildern ist mir sehr wichtig. Wenn schon alles um mich herum und in meinem Kopf schreit, möchte ich versuchen, die noch herrschende Ruhe aufzuspüren und festzuhalten.

Dieser Text erschien als einen von mir verfassten Gastbeitrag auf www.minimalismus-leben.de