Schwarzweiss 110 – Analoge Szene

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Die erste Schwarzweiss-Ausgabe des Jahres, die Nummer 110, beinhaltet eine neue Rubrik über die aktuelle analoge Fotoszene. Hier findet man auf vier Seiten ein Portrait über meine Arbeit und Einstellung zur analogen Fotografie.

Bin sehr gespannt was in dieser Rubrik noch so alles folgt…..

Konkrete und Generative Fotografie

Wer öfters vorbei schaut, der wird mit Sicherheit schon bemerkt haben, dass hier Bilder zu finden sind, welche auf den ersten Blick gar nicht nach Fotos aussehen. Vergangenes Jahr beschäftigte ich mich das erste Mal mit der „Fremdnutzung“ fotografischer Materialien und Eigenschaften. Durch Zufall stolperte ich ziemlich zeitgleich auf den Hinweis der Ausstellung „Lichtbild und Datenbild – Spuren Konkreter Fotografie“ in Würzburg. Mein Interesse war geweckt, da die Thematik meine aktuellen Experimente doch ziemlich gut traf. Auch der Besuch dieser Ausstellung war so interessant, dass ich mir den Ausstellungskatalog kaufte. Dieser enthält tolle Texte zu den Arbeiten und bringt einem das Thema  näher. Da es trotzdem ziemlich komplett und wirr ist, gerade wenn man in den konventionellen Gedanken zur Fotografie feststeckt, möchte ich mich noch genauer damit beschäftigen und das Thema hier ab und an ansprechen.

Folgendes Video ist zwar ziemlich langatmig, doch es hilft um diese Art der Fotografie (wobei man es eher Kunst nennen sollte) zu verstehen.

 

Sofortbilder gehören weggegeben!

Sofortbild von mir. Foto: Claudia Muñoz

Sofortbild von mir. Foto: Claudia Muñoz

Jawohl. Die Sofortbilder gehören weggegeben!

Sofortbilder, umgangssprachlich auch eher unter Polaroids bekannt, sind äußerst gesellige Bilder. Doch sie wollen nicht in eine Sammlung oder gar ganz ordentlich archiviert werden…..oh Nein!
Die Geselligkeit bezieht sich auf die äußest ausgeprägte Beziehung zwischen Bild und Mensch. Vor allem Gegenstände, Situationen oder Abbildungen, welche sich direkt auf eine andere Person beziehen stellen den größten Faktor dieser Beziehung dar. Ein Sofortbild
gehört in dieser Theorie also nicht dem Fotografen, sondern eher der abgebildeten Person bzw. der Person welche man bei diesem Bild im Hinterkopf hatte. Allein die Tatsache, dass sich die Person meist riesig über dieses Geschenk freut, unterstützt das Weggeben ungemein und macht es meist auch unmöglich nicht zu tun.

Wenn ich also zufällig meine Polaroidkamera dabei habe und zum Beispiel an Straßenmusikern oder auch Obdachlosen vorbei komme, dann kann ich den Reflex des Bilder-machens meist nicht unterdrucken. Doch nicht für mich, Nein! Ich mache dies um das Bild daraufhin der jeweiligen Person zu schenken. So kommt anstelle ein paar Münzen ein Sofortbild in Mütze, Becher oder Gitarrenkoffer.

Nutzt man Situationen anderer Menschen aus um sich selbst mit einem Motiv/Bild zu bereichern?
Ist das Fotografieren sonst nicht total egoistisch?

Wenn man den Bildkreis findet

Es ist unfreiwillig passiert, aber ich habe bisher auch noch nie selbst auf Planfilm belichtet. Somit hab ich gleich soweit geshiftet, dass ich den Bildkreis mitbelichtet habe. Schande über mein Haupt, weiß ich doch in der Theorie wie ich das hätte kontrollieren können! Da hab ich mich zu sehr auf das Sofortbild verlassen, welches jedoch viel weniger vom Bild zeigt als der Planfilm. Aber ich war wohl wieder ein bisschen huddelig……. die Entschleunigung der analogen Fotografie ist noch nicht komplett in mich übergegangen.

Jedoch bin ich trotzdem ein ganz kleines bisschen stolz endlich mal die Entwicklung von Planfilm (in der Schale) angegangen zu sein. Für mich ist und bleibt die analoge Fotografie einfach ein kleines bisschen Zauberei. Ich glaube nie das da auch wirklich ein brauchbares Bild rauskommt. Wenn in meinem Kopf endlich mal angekommen ist, dass das trotz Zauberei kein Hexenwerk ist, dann gibt es hoffentlich bald mehr von der Sinar auf Planfilm. Es ist ja nicht so, als fotografiere ich zum ersten Mal mit ihr. Aber in der Schule hatten wir sie im Studio mit Digitalrückteil und auf der Arbeit mit der Rollfilm-Kassette. Das ist doch durchaus ein Unterschied und alleine war ich auch so gut wie nie in der freien Wildnis. Der erste Schritt ist gemacht und vielleicht wird der Bildkreis einfach mein Markenzeichen!

🙂

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Leitz-Park, Wetzlar

Meine bisher ersten und einzigsten 4×5″ Negative. Mangels Scanner einfach quick’n‘ dirty vom Leuchtpult mit einer einfachen Digiknipse abfotografiert und als Positiv umgewandelt. Achtung, schlechte Qualität!