Sofie – digital abfotografiert

Ich leide an einer kleinen Krankheit, welche sich weder als Qualitätsfetischismus noch „Scheiß-drauf“ äußert. Es ist irgendwas dazwischen und hat oft große Auswirkungen auf meine Laune. Manchmal mag ich sogar den Hasselblad Flexi aus dem Fenster schmeißen, da ich an den Tagen auf Pixel nicht klar komme. Es ist zu unscharf, zu scharf, zu komisch, zu bäh und überhaupt! Das sind die Tage, welche eher zum Qualitätsfetischismus zählen, aber ich bin technisch nicht so zu begeistern, dass ich stundenlang an Verfahren tüfteln will. Es soll doch einfach funktionieren! Und dann, wird „drauf geschissen“, die digitalisierten Negative lagern irgendwo in den tiefen meiner Festplatte und werden vergessen. Wenn ich irgendwann mal vom hohen Ross runter gekommen bin, dann kann ich sie mir nochmal anschauen.

Genau wie bei folgenden Bildern, wobei diese erst vor einer Woche digitalisiert wurden. Jedoch war diesmal kein Scanner im Spiel…..auf den Epson kommen mir nämlich nur die KB-Negative oder die unseriöseren, trashigen Arbeiten. Aber mein Chef hat da letztens an einem Aufbau getüftelt um unsere Negative auch mal abfotografieren zu können. Da hab ich natürlich auch ein paar meiner Rollfilme durchgezogen und es natürlich gleich wieder gelassen. Die ganze Sache war mir unheimlich unsympatisch und ich habe die digitalisierten Negative gemieden wie eine ansteckende Krankheit. Aber inzwischen ist es glaub wieder in Ordnung und ich danke meinem Chef für die Tüftelei.

_aa_0764_klein _aa_0765_klein

Teil 1: Über Reisen und die Fotografie

Ich habe letztes Jahr schon ein paar Zeilen über dieses Thema geschrieben. Dort habe ich das „nicht-fotografieren“ ziemlich gut umsetzen und durchhalten können, wobei man nicht von durchhalten sprechen kann. Ich hatte einfach kein Verlangen danach. Vielleicht auch, da es „nur“ die Schweiz war, nicht wirklich weit weg und auch kein richtiges Ausland für mich. Ich bin mit der Bahn durch die Gegend gezuckelt und konnte mich der Landschaft freuen, welcher ich relativ leicht wieder einen Besuch abstatten kann.

In Irland war ich mit dem Thema wieder konfrontiert. Es fing schon mit dem zusammenstellen der Ausrüstung an. Das „Was soll mit?“ hat sich mir davor gar nicht wirklich gestellt, da die Rolleiflex und eventuell noch meine Polaroid in Frage kamen. Doch durch meine Arbeit kann ich mir verschiedenste Kameras ausleihen. So kam nun neben der Rolleiflex auch die Nikon F2 mit, mit welcher ich mich langsam anfreunde. Somit mussten auch zwei verschiedene Filmarten mit auf die Reise. Puh!

Da die Zeit und auch die Gegebenheiten nicht wirklich passten um in Ruhe durch das Land zu fahren, ging es auf Tagestouren um einige der tollen Orte und Landschaften mitzubekommen. Zusammengepfercht in einem Bus voller anderen Menschen ging es los. Vom Busfahrer gab es Erklärungen hier, Erkläruneng da, manchmal wurde nur zum besser gucken angehalten oder es gab 15 min Aufenthalt zum fotografieren. So ging es durch die schönste Landschaft von Irland. Zwar konnte ich mich nicht dazu bringen, aus dem Fenster zu fotografieren, wie es die anderen zum großen Teil taten. Doch ich machte auf den Stops auch das ein oder andere Knipsbild, welches ich normal nicht machen würde.

Somit fragte ich mich, fast schon während dem tun, wieso ich das überhaupt mache?!

Ich weiß doch eigentlich, dass die Bilder nichts werden können. Die Sonne stand falsch oder ich hatte zu wenig Zeit und Ruhe für die Fotos! Was will ich nur damit? Das „Ich-bin-da-gewesen“-Syndrom – aber wieso? Eigentlich lege ich darauf doch gar keinen Wert! Gruppenzwang?

So richtig an meinen Nerven haben vor allem die Cliffs of Moher gekratzt. Hier hatten wir 1,5h Aufenthalt auf welche ich mich freute, doch ich wusste nicht wie touristisch das Ganze in Wirklichkeit ist. Was auf den Fotos so friedlich und naturbelassen aussieht läuft im Hintergrund mit Besucherzeitrum, Absperrungen und wahnsinnig viel Publikum. Um die besseren Bilder von sich zu bekommen werden natürlich die Absperrungen überwunden um den Klippen so nahe wie möglich zu sein. Zwar verstehe ich das schon ein bisschen, doch in dieser Masse scheint mir das fast ein reinster Foto-Tourismus zu sein. Die wenigsten, so kommt es mir vor, genießen diesen wunderbaren Anblick und das Naturschauspiel! Man läuft an den Klippen entlang um den besten Standort für die Bilder von sich gegenseitig (oder sogar Selfi) machen zu können. Auch im Besucherzentrum gibt es eine „Postcard“-Station, wo man ein Bild von den Klippen bzw. Umgebung auswählen und sich dann vor einem grünen Hintergrund in dieses reinmontieren lassen und dann den Liebsten Zuhause per Mail schicken lassen kann. Klar, faszinierend durch die technische Spielerei ist das irgendwie schon, doch in meinem Kopf gesellt sich das wieder mal zur Fototourismus-Sparte „Ich-war-hier“ und das kann ich in dem Ausmaß einfach nicht verstehen.

Ich muss sagen, dass ich mich in dieser Foto-Touri-Rolle gar nicht wohl fühle. Fotos zu machen, für welche ich mir keine richtige Zeit genommen habe bzw. gar nicht konnte, fühlt sich so unglaublich schlecht an! In diesem Urlaub habe ich es nun, auf was für Gründen auch immer, doch getan und endgültig für mich gemerkt das es nichts für mich ist.

Wenn ihr euch fragt auf was ich hinaus möchte….tja, dass weiß ich auch (noch) nicht genau. Kann diese Sache nämlich in keine genaue Schublade einordnen. Da findet ein kontinuierliches hin und her sortieren der Gedanken und Taten statt. Wie gehe ich mit der Fotografie auf Reisen am Besten um? Ich habe noch kein einziges Landschaftsfoto aus Irland weiterverarbeitet…..kein Interesse.

Vielleicht kommt dieser Text genauso wichtigtuerisch und selbstdarstellerisch rüber wie ein Selfie vor den Cliffs of Moher, aber es muss irgendwie raus.

TEIL 2 folgt demnächst…….

Liebesbrief an meine Rolleiflex

Jana_klein

 

Wenn ich ehrlich bin, dann warst du keine Wunschkamera. Ich wusste wenig über dich, wenn überhaupt! Deine Funktionsweise kannte ich aus dem Theorieunterricht der Fotoschule, doch eine Kamera mit zwei Objektiven war mir lange fremd, ja gar suspekt! Ich war nur digitale Spiegelreflexen, die Hasselblad sowie Fachkameras gewohnt.

 

In der Anfangszeit meines fotografischen Lohnjobs lernte ich jedoch einen Verwandten von dir kennen und die „Familie“ namens Rolleiflex fand ich durchaus interessant.

So unternahm ich im Winter 2012 auch einen Ausflug mit deinem Verwandten (ich muss ja schon sagen, dass ich ihn attraktiv fand). Es war eine schöne Zeit und die Erinnerungsfotos sind mir sehr ans Herz gewachsen. Doch ich dachte nicht, dass ich mit dieser Familie auch weiterhin, ja sogar so eng, zu tun haben werde. Aber es kam das alljährliche Weihnachten und wir wurden von meinem Chef verkuppelt. Die Schmetterlinge im Bauch waren groß und vor allem zahlreich, aber unser Zusammensein wurde dennoch überschattet.

Denn mit dir hatte ich nun noch eine weitere Kamera, welche meine Zuneigung, Interesse und Zeit einforderte. Da dies auf Dauer nicht ging, trennte ich mich, wenn auch schweren Herzens, von meiner digitalen Nikon D300. Aber wie es so ist, man muss sich manchmal entscheiden.

Doch ich bereue, auch im Nachhinein, diesen Schritt nicht. So konnte ich genug Zeit mit dir verbringen, was unsere Beziehung nur noch stärker machte.

Um diese Zeit bin ich dir wirklich dankbar. Wir konnten bisher zusammen nicht nur tolle Motive und Momente miteinander teilen, sondern auch einige tolle Gespräche mit zufälligen, spontanen Bekanntschaften machen. An dieser Stelle danke ich dir so sehr, ohne dich hätte ich so viele interessante Menschen nicht kennen gelernt. Es stellte sich nämlich heraus, dass viele (vor allem ältere Menschen) deine „Familie“ kannten oder dich auch sehr reizvoll finden.

Ich konnte zudem von deinem Alter und der daraus resultierenden Gelassenheit profitieren, denn diese entzieht sich der Beschleunigung der aktuellen Zeit.

Du bist mir eine geduldige Lehrerin, denn mit der fixen Brennweite und deinem seitenverkehrten Bild muss ich genauer überlegen, ob, was und wie ich die Motive mit dir festhalte.

Zudem muss ich zugeben, dass ich mich ziemlich in dich verguckt habe. Zwar hast du auch deine Ecken und Kanten, doch das Klacken des Lichtschachts und das klicken, wenn du das Licht in deinem Innersten auffängst, lässt mein Herz erwachen und ebenso leuchten.

 

Station 13: Irland

janalog-unterwegsEigentlich passt es nicht direkt, dass ich Irland mit in diese kleine Serie nehme. Doch es gab einen ganz speziellen Grund wieso ich diese Reise unternahm! Als Geburtstagsgeschenk bekam eine Freundin letztes Jahr von mir einen Gutschein für ein Fotoshooting in Form einer Rolle Film. Leider hatten wir es nicht geschafft diesen zu nutzen, bevor sich unsere alltäglichen Wege trennten. Somit flog ich nach Irland um sie zu besuchen und ihr Geburtstagsgeschenk einzulösen.

Für dich!

Bei einem gemeinsamen Ausflug nach Howth hat es sich schlussendlich ergeben, dass sie vor meinen Kameras stand. Ich hatte, ganz untypisch für mich, neben meiner Rolleiflex auch die Nikon F2 dabei. Irgendwie schleicht sich diese Kamera immer wieder mit auf Fototouren.  Zwar bin ich definitiv ein Fan vom größeren Rollfilm, doch für zwischendurch ist die Nikon auch mal nett.

Hier mal ein paar Bilder (die Vorschau-Farben stimmen nicht, aber einfach klicken)

2016-04-22_film_3_scan4_klein

2016-04-22_film_1_scan4_klein2016-04-22_film_1_scan1_klein 2016-04-22_film_1_scan9_klein

<- Station 12: Berlin | Station 14: analogueNOW Berlin ->