Das richtige „janalog“

Vor genau drei Jahren zeigte ich hier auf dem Blog mein janaloges Notizbuch, welches damals erst ein paar Monate alt und nahezu jüngfräulich war. Nun trage ich es seit über drei Jahren so gut wie täglich mit mir rum und kann mir nicht mehr vorstellen ohne aus dem Haus zu gehen. Jetzt sind nur noch ein paar wenige Seiten übrig und ich werde wohl ein neues Buch anfangen müssen. Das ist ziemlich schwierig, da mein bisheriges Notizbuch (bzw. das richtige „janalog“) auch als Arbeitsgrundlage auf Reisen oder in Wartemomenten diente. Mal schauen wie ich es weiterhin handhaben werde….mir fehlt mein abgegriffener Bündel aus Papier und Pappe jetzt schon. Vor allem der Inhalt!

Das Lachen und die Kamera

Es gibt Bücher, welche man einfach nicht erwartet, wenn man durch die Regale der Stadtbibliothek stöbert. Es hat mich letztens schon erstaunt ein Buch über die analoge Fotografie zu entdecken, nachdem ich mir das so lange erhofft hatte. Doch „Das Lachen und die Kamera von Rolf H. Krauss“ hätte ich wirklich nicht erwartet. Schon allein das solch ein Buch existiert hat mich etwas verwirrt, denn es ist einfach genial!

In diesem Buch wird ein Ausflug in die Geschichte der Fotografie gemacht, wie auch der Untertitel es so schön nennt „Eine andere Geschichte der Fotografie“. Dieses „andere“ ist Programm, denn es geht hier vor allem um die humoristische Begegnung mit diesem damals neuen Medium. So wie wir es Heute mit all der Satire und Komödianten-Programmen kennen, so wurden auch schon damals neue oder aktuelle Themen gerne auf die Schippe genommen oder in den Dreck gezogen. Vor allem zu den Anfängen der Fotografie gibt es bitterböse Karrikaturen und Texte.

„Ich sehe was, das du nicht siehst“

Alles hat damit angefangen, dass der Marco so wenig fotografiert. Zwar bin ich selbst sehr wählerisch und motivschwierig, doch wenn ich anderen schöne und ihnen noch unbekannte Orte zeige, dann wundert mich dieses „nicht-fotografieren“ durchaus. Klar sind diese Gedanken irgendwie komisch und meiner Einstellung komplett entgegengesetzt, doch da ich diese habe musste ich einfach handeln.

Die Grundidee basiert auf der Halbformatkamera, welche sich gerade bei mir in „Pflege“ befindet. Da es bei Marco durchaus sehr lange dauern kann, bis dieser einen KB-Film voll hat, fand ich es reizvoll ihn mit der doppelten Bildladung zu konfrontieren. Er sollte diesen Film mit den circa 72 Bildern in einem Tag durchziehen (voll machen).

Ich bin zwar eine Verfechterin des überlegten Bildes, doch ein bisschen Seh- und Fotografiegymnastik kann ab und zu nicht schaden. Es soll ja auch kein wahlloses Drauflosgeknipse sein, sondern als Außeinandersetzung mit Motiven, welche man eigentlich (freiwillig) nicht fotografieren würde, gesehen werden. Gerade dazu finde ich diese Kamera genial, denn die entstehenden Bilder sind nicht teuer und es fotografiert sich mit dieser Kamera einfach recht locker und flockig – aber trotzdem anders als digital. Schussendlich haben wir die ursprüngliche Idee etwas abgewandelt bzw. weitergesponnen. Es wurde ein fotografisches „Ich sehe was, das du nicht siehst“ daraus. Wir zogen gemeinsam durch die Straßen von Berlin, er mit und ich ohne Kamera. Jedes Mal wenn ich etwas für mich interessantes sah, sagte ich mein kleines Sprüchlein, guckte in die entsprechende Richtung und/oder gab ein oder mehrere Motivtipps. Ich war sehr auf die Ergebnisse gespannt und darauf wie sehr unsere Sehweisen sich unterscheiden bzw. die Bilder welche ich in meinem Kopf hatte.

Ich möchte hier selbst nicht als bessere oder allwissende Fotografin auftreten, sondern sehe es als gegenseitiges Lernprojekt und als Motivation mal von den eingestampften Gewohnheiten und Sichtweisen abzukommen. Denn die Fotografie sollte nicht immer so furchtbar bitterernst sein. Das wird mir viel zu oft so gehandhabt. Manchmal, so finde ich es zumindest, sollte man auch einfach sein Hirn ausschalten und tun – daraus entstanden für mich persönlich schon so viele gute Erfahrungen.

Eine kleine Meinung vom Marco Wittkopf :

„Ich sehe was, das du nicht siehst. Ich fotografiere ja nicht alles. Aber wenn man mal dazu getrieben wird durch die Augen oder den Sucher eines anderen zu schauen, eröffnen sich einem eine Palette an Motiven, an welche man vorher nie gedacht hätte. Ich kann im nachhinein sagen, dass ich dadurch mehr gelernt habe als durch jede andere Aktion. Jetzt entdecke ich auch beim spazieren viel mehr Motive als vorher. Danke dafür“