Blickkontakt mit mir selbst

Das Bild beziehungsweise die Fotografie wird im Ausstellungskontext meist schön passpartouiert, gerahmt und hinter Glas ausgestellt. Der wertvolle Druck bzw. Handabzug soll somit, am besten so archiv- und farbsicher wie möglich, vor Umwelteinflüssen geschützt werden.
Doch wird das Foto hier nicht ziemlich stark aus dem Leben gezogen? Ein Medium, welches doch genau für diese lebensnahe und „realistische“ Wiedergabe bekannt und geschätzt ist.
Man steckt es mit Passepartout und Rahmen in eine spezielle Situation um es hochwertiger wirken zu lassen. Wird das Einzelbild dies dadurch tatsächlich oder ist es ein aufgezwungener Schein?

Meiner Meinung nach passiert hier jedoch noch etwas schwerwiegendes, denn das schützende Glas, es betrifft auch das sogenannte Museumsglas, legt sich wie eine „durchsichtige“ Haut über das Foto. Doch der durchsichtige Schein trügt, bzw. ganz im Gegenteil: Er präsentiert die knallharte Gegenwart in seiner Spiegelung.
Je nach Standpunkt sieht man sich trotz Museumsglas selbst an. Man selbst kann eigentlich zwar entscheiden, welches der beiden Bilder man fokussieren möchte – aber die gespiegelte Realität drängt sich dem Betrachter doch geradezu auf!
Durch diese Präsentationsart wird oft ein sehr störendes Doppelbild geschaffen – alleinig aus Schutzgründen gegenüber dem Bild?
Ich persönlich finde es fies gegenüber dem Bild, die unmögliche Situation zu schaffen, dass man sich nicht alleine auf eben dies konzentrieren kann.

Adventskalender 20: Wilde Zitate

Da ich dieses Jahr mein „janalog II“ komplett vollgeschrieben habe, möchte ich hier ein paar der Zitate wild teilen. Ohne auf Anspruch auf Vollständigkeit, was die Quellen oder den Kontext anbelangt. Es sind Wörter und Sätze, welche mich angesprochen haben und den Weg in mein Notizbuch gefunden haben. Eigentlich nur für mich, ohne das ich damit „wissenschaftlich“ arbeiten wollte. Daher sind manche Bezüge zur Herkunft auch für mich nicht ganz nachzuvollziehen – aber persönlich eigentlich auch nicht wichtig.

„Das Bild wird auch älter, gerade so, wie wir selbst altern [..], die Zeit jenes Bildes rückt nicht vor, schreitet nicht wie wir selbst stündlich vorwärts, der Zukunft entgegen. Es hat den Anschein, als stünde sie still, aber auch sie verschiebt sich, nur in umgekehrter Richtung. Sie vertieft sich immer mehr in die Vergangenheit. Und so entfernt sich auch das Bild mit der Zeit immer mehr in die Vergangenheit hinein […] – Pirandello

„Der Blick bemächtigt sich nicht der Bilder, sondern diese bemächtigen sich des Blickes. Sie überschwemmen das Bewusstsein. Das Kino bedeutet eine Uniformierung des Auges, das bis jetzt unbekleidet war“ – Kafka

„Photographieren ist ein unmoralischer Akt“ – Walter Benjamin

„Die Fotografie ist qua ihrer medialen Verfasstheit zu schnell für den psychischen Prozess, der erst über eine strikte Negation zur Akzeptanz des Todes führt“ – Die Tode der Fotografie – Katharina Sykora

„Wir müssen jedes Bild befragen: Wie möchtest du gezeigt werden?“ – Florian Ebner

„Die Fotografie, das ist die Jagd, das ist der Jagdinstinkt ohne die Lust zu töten. Es ist die Jagd der Engel…..man vervolgt, zielt, schießt und dann -klack!- anstelle von Toten bringt man Unsterbliche hervor“ – Chris Marker

„Fotografie ist das Produkt völliger Entfremdung“ – Marcel Proust

Adventskalender 15 – Fotoleerbücher

Ich habe meinen freien Tag und sitze in der Stadtbibliothek, ganz nah bei den „Fotolehrbüchern“. Diesen Spaß gönne ich mir ab und an, auch wenn ich weiß, dass ich davon schlechte Laune bekomme.
Titel wie „Der Weg zum perfekten Foto“ oder „Fotorezepte“ lösen bei mir immer eine nahezu aggressives Verhalten aus. Doch warum? Bin ich einfach nur arrogant und alles andere als tolerant?

In meinem Kopf schwirren viele Gedanken dazu herum und ich mache mir gleichzeitig deswegen selbst Vorwürfe. Hab ich denn nicht gut reden, da ich schließlich eine fotografische Ausbildung habe?
Verschließe ich mich „Neuem“ und bin schon zu sehr in diesem Bereich vorbelastet?
Das kann ich selbst natürlich nicht beantworten, doch ich mag generell keine Ratgeber – es sind, so glaube ich, vor allem die unterschwelligen Botschaften, welche bei solchen Publikationen mitschwingen.
Als wäre das, genau so wie es es dort schwarz auf weiß geschrieben ist, und nur das, richtig. Als hätte der Autor die Weisheit mit dem Löffel gefressen und gut vorgekaut. Der Leser muss sein Kopf nicht mehr anstrengen und den Wissensbrei einfach nur noch schlucken.

„Mit diesen 5 Tipps machen Sie bessere Fotos mit ihrem Smartphone“, so oder so ähnlich sieht man es auch im Internet. Weiter geht es mit „50 Fotografen, die man kennen sollte“, welches hier im Regal steht. Perfekt, besser, DIE 5, 10, 50 besten, tollsten, bekanntesten……– diese Worte und Zahlen symbolisieren meiner Meinung nach so viel. Als gäbe es den einen, richtigen, Weg.
Man nehme das Licht, positioniere es so, einen schönen Menschen dazu, ein bisschen Zauber der Visagistin, natürlich noch eine gute Kamera – fertig ist das perfekte Portrait! Wie nach einem Kuchenrezept, nur haltbarer!

Ich verstehe es nicht, aber gleichzeitig mich selbst auch nicht! Zwar bin ich in meiner Ausbildung auch durch manch „Regelwerke“ gegangen, doch dies hat mich damals schon gestört.
Ich war nicht schlecht, doch einfach keine brave und gehorsame Handwerkerin.
Ja, das hört sich vielleicht danach an, als würde ich mich und meine Art zu fotografieren bejubeln und alles andere verachten…..doch so meine ich es nicht.
Ehrlich. Ich versuche offen zu sein, doch sobald jemand zu mir tritt, mit den Worten wie „du musst“, „du sollst“, „so und nicht anders“, dann sperre ich.
Mir wäre viel Frust und Ärger erspart geblieben, wenn ich brav alles wie im Lehrbuch abgearbeitet und umgesetzt hätte. Doch ist das immer der richtige Weg?
Ich bin unsicher und mag mich dennoch nicht beugen, mit Knoten im Kopf.

Adventskalender 12 – Text über meine Arbeit

Als ich vor einiger Zeit eine Freundin fragte, was sie denn als neuen Text interessieren würde, kam zurück: Wie du auf deine vielen Ideen kommst, dass würde mich interessieren!
Das ist jedoch wirklich nicht leicht für mich, da ich keinen Eindruck schinden möchte in der Art „Schaut her, so geht’s. Ich bin die Beste“. Zwar weiß ich, dass ich hier und da reicht gute Ideen habe…..doch darüber zu schreiben, ist das nicht etwas komisch?

Nun sitze ich wirklich vor meinem janalogen Notizbuch und sinniere über meine Arbeitsweise und werde nun versuchen meinen Knoten im Hirn zu entwirren.
Etwas anderes ist es doch auch nicht, dass kennt doch sicher jeder. Will man unbedingt auf eine neue Idee kommen, dann klappt es nicht.
Das ist für mich oft eine große Last. In den letzten zwei Jahren hatte ich vier Tage in der Woche Zeit für meine eigenen Arbeiten – was für ein Luxus mag sich nun wohl einer denken.
Aber mein Kopf braucht die Zeit um in Gang zu kommen. Doch nicht nur das, er braucht Bewegung und die passende Örtlichkeit. Sitze ich nämlich „Zuhause“ oder bei meinen Eltern, dann geht meist wenig bis nicht in meinem Kopf. Ich muss etwas tun, erst dann wird die Muse wach und erbarmt sich vielleicht doch noch zu einem Kuss!
Ein Blatt weißes Papier, davor hatte ich schon im Kunstunterricht bammel, ja gar eine regelrechte Lähmung.
Ich brauch Vorlagen, Inspiration – das Hirn muss sich warm laufen. Es ist nahezu egal was es ist – visuelle Reize müssen her. Am besten an inspirierenden Orten oder mit den passenden Menschen. Erst dann ist mein Hirn wohl auf Empfang gestellt und kann das auch verarbeiten.
Ganz groß ist auch das Bahnfahren. Im ICE am Fenster mit Tisch – da rotieren die Gedanken nur so. Es ist oft eine magische Zeit, denn man tut indirekt schon was bzw. lässt sich fahren. Man kann nicht sonderlich viel machen und die Hirnknoten des Alltags können nicht aufkommen.
Ich brauche zudem in dem Moment kein schlechtes Gewissen zu haben, dass ich mich meinen Gedanken überlasse, mich treiben lasse. Und nicht gerade entscheiden muss ob ich in die Dunkelkammer gehe, das gute Wetter zum fotografieren nutze oder nicht doch eigentlich aufräumen müsste. In diesen Momenten bin ich meistens recht ungestört mit meinem Kopf.

Da meine Themen sich mit der analog-fotografischen Welt beschäftigen inhaliere ich nahezu jede Inspirationsquelle. Seien es alte Kamerakataloge, Fotomagazine, theoretisch-philosophische Bücher, entsprechende Veranstaltungen, Museumsbesuche oder eben Gespräche mit tollen Menschen.
Dabei muss es jedoch nicht immer direkt um die (analoge) Fotografie gehen – oft blockieren mich Fotoausstellungen im klassischen Sinne sogar.