BILD____reise – Vor einem Jahr

bildreise_logo

Gestern vor einem Jahr startete ich meine BILD___reise, welche insgesamt 9 Wochen dauerte. Zwar kommt es mir vor, als wäre es noch länger her. Vor allem die Kontate zu den Menschen, welche ich kennen lernen durfte fühlen sich an, als würden diese schon viel länger dauern.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal für all die Er- sowie Verfahrungen danken, es war eine wirklich tolle Zeit.
Rückblickend war es jedoch auch ziemlich anstrengend immer im Mittelpunkt der jeweiligen Aufmerksamkeit zu stehen. Alle paar Tage von Neuem. Es drehte sich quasi immer um mich, meine Fotografie sowie dem Projekt. Zwar stehe ich gerne im Mittelpunkt, jedoch war das vor allem nach der Reise so eine spezielle Sache, ich musste mich erstmal wieder erden. Es ging nicht mehr um mich, mein Alltag hatte mich wieder und ich musste diesen wieder alleine organisieren.
Es war für mich und meine Entscheidungsunfreudigkeit sehr bequem, mich in die jeweils gegebenen Strukturen der Gastgeber ein bisschen fallen zu lassen. Ich hatte einen Rahmen in welchem ich agierte und Zuhause war ich wieder komplett frei und hatte zum Teil ein sehr großes Problem damit.

Inzwischen hat sich alles wieder eingependelt, doch bin ich gerade eher sehr zurückhaltend was sich Fototreffen, größere Fotografen-Ansammlungen und Neubegegnungen betrifft. Vielleicht hat es etwas mit dem Studium zu tun und auch mit der BILD___reise. Doch ich mag es gerade gerne etwas ruhiger und kann nicht mehr so viel über Fotografie reden. Nicht in dem Rahmen des „neuen Kennenlernens“, bei welchem man selbst immer die relativ ähnlichen Gespräche hat.
Das geht gerade nicht mehr.

Ich freue mich trotzdem über die kommende Zeit, in welcher ich jeden Tag für mich selbst über den jeweiligen Tag vor einem Jahr ein bisschen nachdenken werde. Mal schauen was für Erkentnisse ich daraus noch ziehen werde.

Bildblind (2017)

Falls du es lesen solltest, lieber Chef. Es war eine sehr schöne Zeit, aber ich hatte einfach ein Problem. Du wusstest es und hast dich nie darüber beschwert, danke dafür – es tut mir aber trotzdem sehr leid.

Manchmal mag ich nicht mehr. Sehen, es ist so furchtbar anstrengend.
Seitdem ich wieder in fotografischem Lohn stehe nimmt ein Problem zu, die Bildblindheit!
An manchen Tagen sitze ich in meiner Arbeitszeit acht Stunden vor dem Monitor, genauer gesagt an Photoshop. Irgendwann kann und mag ich nicht mehr, ich sehe das jeweilige Bild nicht mehr richtig. Aus diesem Grund mache ich Auftragsbilder sehr ungern an einem Tag fertig, der frische Blick vom nächsten Tag muss unbedingt her. Doch dann geht es wieder von vorne los. Es ist nicht nur eine Lustlosigkeit, sondern mir wird manchmal richtig übel, bekomme doofe Laune und will das jeweilige Bild eigentlich gar nicht mehr anschauen.
Manchmal habe ich das Gefühl diesem Beruf nicht gewachsen zu sein. Klar, Fotografie ist mein Leben und ganz schlecht bin ich in dieser Sache nicht. Da bin ich mir bewusst, doch es wird mir oft zu viel.
Dann sehe ich die noch so korrekturbedürftigen Sachen bzw. Fehler nicht mehr und eine große Unzufriedenheit stellt sich dadurch ein.
Dadurch, dass jeder anders sieht gibt es in diesem Beruf in vielen Bereichen kein generelles richtig und falsch. Es ist zwar auf der einen Seite ein Abarbeiten eines Arbeitsablaufes, doch da jedes Bild anders ist, gehen hier viele Entscheidungen mit ein. Entscheidungen, welche ich selbst für „fremde“ Bilder nicht treffen mag und kann – und manchmal auch einfach nicht mehr sehe.

Bei meinen eigenen Arbeiten ist es wesentlich leichter. Hier kann ich aufhören wenn ich auf das bzw. die jeweiligen Bild(er) gerade nicht klar komme. Auf der Arbeit bin ich den Bildern irgendwie ausgeliefert, ich „muss“ ja arbeiten Es ist ein Job, ich sollte mich zusammenreißen. Das ist jedoch nicht immer gut machbar und wenn ich mich in manchen Momenten dazu zwinge, dann geht es mir wie eben beschrieben.
Ich hab keine Ahnung in wie weit dies normal ist und mich einfach blöd anstelle. Genau dies wurde mir schon, jedoch nicht auf Arbeit, vorgeworfen wenn ich davon erzählte.
.
Schlussendlich mache ich es ja, also meine Arbeit, doch die Zweifel kommen immer wieder hoch.
Ist diese Bildblindheit nicht doch vielleicht als Zeichen zu deuten, einen anderen Beruf zu wählen? Die Bilder bleiben im Leben, doch weniger und anders, privater. Oder ist dieses Problem doch nicht normal und ich sollte schauen wo denn die Wurzel ist?
Denn eigentlich mag ich meinen Job doch, er gehört zu mir – Bildblindheit hin oder her!

Blickkontakt mit mir selbst

Das Bild beziehungsweise die Fotografie wird im Ausstellungskontext meist schön passpartouiert, gerahmt und hinter Glas ausgestellt. Der wertvolle Druck bzw. Handabzug soll somit, am besten so archiv- und farbsicher wie möglich, vor Umwelteinflüssen geschützt werden.
Doch wird das Foto hier nicht ziemlich stark aus dem Leben gezogen? Ein Medium, welches doch genau für diese lebensnahe und „realistische“ Wiedergabe bekannt und geschätzt ist.
Man steckt es mit Passepartout und Rahmen in eine spezielle Situation um es hochwertiger wirken zu lassen. Wird das Einzelbild dies dadurch tatsächlich oder ist es ein aufgezwungener Schein?

Meiner Meinung nach passiert hier jedoch noch etwas schwerwiegendes, denn das schützende Glas, es betrifft auch das sogenannte Museumsglas, legt sich wie eine „durchsichtige“ Haut über das Foto. Doch der durchsichtige Schein trügt, bzw. ganz im Gegenteil: Er präsentiert die knallharte Gegenwart in seiner Spiegelung.
Je nach Standpunkt sieht man sich trotz Museumsglas selbst an. Man selbst kann eigentlich zwar entscheiden, welches der beiden Bilder man fokussieren möchte – aber die gespiegelte Realität drängt sich dem Betrachter doch geradezu auf!
Durch diese Präsentationsart wird oft ein sehr störendes Doppelbild geschaffen – alleinig aus Schutzgründen gegenüber dem Bild?
Ich persönlich finde es fies gegenüber dem Bild, die unmögliche Situation zu schaffen, dass man sich nicht alleine auf eben dies konzentrieren kann.

Adventskalender 20: Wilde Zitate

Da ich dieses Jahr mein „janalog II“ komplett vollgeschrieben habe, möchte ich hier ein paar der Zitate wild teilen. Ohne auf Anspruch auf Vollständigkeit, was die Quellen oder den Kontext anbelangt. Es sind Wörter und Sätze, welche mich angesprochen haben und den Weg in mein Notizbuch gefunden haben. Eigentlich nur für mich, ohne das ich damit „wissenschaftlich“ arbeiten wollte. Daher sind manche Bezüge zur Herkunft auch für mich nicht ganz nachzuvollziehen – aber persönlich eigentlich auch nicht wichtig.

„Das Bild wird auch älter, gerade so, wie wir selbst altern [..], die Zeit jenes Bildes rückt nicht vor, schreitet nicht wie wir selbst stündlich vorwärts, der Zukunft entgegen. Es hat den Anschein, als stünde sie still, aber auch sie verschiebt sich, nur in umgekehrter Richtung. Sie vertieft sich immer mehr in die Vergangenheit. Und so entfernt sich auch das Bild mit der Zeit immer mehr in die Vergangenheit hinein […] – Pirandello

„Der Blick bemächtigt sich nicht der Bilder, sondern diese bemächtigen sich des Blickes. Sie überschwemmen das Bewusstsein. Das Kino bedeutet eine Uniformierung des Auges, das bis jetzt unbekleidet war“ – Kafka

„Photographieren ist ein unmoralischer Akt“ – Walter Benjamin

„Die Fotografie ist qua ihrer medialen Verfasstheit zu schnell für den psychischen Prozess, der erst über eine strikte Negation zur Akzeptanz des Todes führt“ – Die Tode der Fotografie – Katharina Sykora

„Wir müssen jedes Bild befragen: Wie möchtest du gezeigt werden?“ – Florian Ebner

„Die Fotografie, das ist die Jagd, das ist der Jagdinstinkt ohne die Lust zu töten. Es ist die Jagd der Engel…..man vervolgt, zielt, schießt und dann -klack!- anstelle von Toten bringt man Unsterbliche hervor“ – Chris Marker

„Fotografie ist das Produkt völliger Entfremdung“ – Marcel Proust

Adventskalender 15 – Fotoleerbücher

Ich habe meinen freien Tag und sitze in der Stadtbibliothek, ganz nah bei den „Fotolehrbüchern“. Diesen Spaß gönne ich mir ab und an, auch wenn ich weiß, dass ich davon schlechte Laune bekomme.
Titel wie „Der Weg zum perfekten Foto“ oder „Fotorezepte“ lösen bei mir immer eine nahezu aggressives Verhalten aus. Doch warum? Bin ich einfach nur arrogant und alles andere als tolerant?

In meinem Kopf schwirren viele Gedanken dazu herum und ich mache mir gleichzeitig deswegen selbst Vorwürfe. Hab ich denn nicht gut reden, da ich schließlich eine fotografische Ausbildung habe?
Verschließe ich mich „Neuem“ und bin schon zu sehr in diesem Bereich vorbelastet?
Das kann ich selbst natürlich nicht beantworten, doch ich mag generell keine Ratgeber – es sind, so glaube ich, vor allem die unterschwelligen Botschaften, welche bei solchen Publikationen mitschwingen.
Als wäre das, genau so wie es es dort schwarz auf weiß geschrieben ist, und nur das, richtig. Als hätte der Autor die Weisheit mit dem Löffel gefressen und gut vorgekaut. Der Leser muss sein Kopf nicht mehr anstrengen und den Wissensbrei einfach nur noch schlucken.

„Mit diesen 5 Tipps machen Sie bessere Fotos mit ihrem Smartphone“, so oder so ähnlich sieht man es auch im Internet. Weiter geht es mit „50 Fotografen, die man kennen sollte“, welches hier im Regal steht. Perfekt, besser, DIE 5, 10, 50 besten, tollsten, bekanntesten……– diese Worte und Zahlen symbolisieren meiner Meinung nach so viel. Als gäbe es den einen, richtigen, Weg.
Man nehme das Licht, positioniere es so, einen schönen Menschen dazu, ein bisschen Zauber der Visagistin, natürlich noch eine gute Kamera – fertig ist das perfekte Portrait! Wie nach einem Kuchenrezept, nur haltbarer!

Ich verstehe es nicht, aber gleichzeitig mich selbst auch nicht! Zwar bin ich in meiner Ausbildung auch durch manch „Regelwerke“ gegangen, doch dies hat mich damals schon gestört.
Ich war nicht schlecht, doch einfach keine brave und gehorsame Handwerkerin.
Ja, das hört sich vielleicht danach an, als würde ich mich und meine Art zu fotografieren bejubeln und alles andere verachten…..doch so meine ich es nicht.
Ehrlich. Ich versuche offen zu sein, doch sobald jemand zu mir tritt, mit den Worten wie „du musst“, „du sollst“, „so und nicht anders“, dann sperre ich.
Mir wäre viel Frust und Ärger erspart geblieben, wenn ich brav alles wie im Lehrbuch abgearbeitet und umgesetzt hätte. Doch ist das immer der richtige Weg?
Ich bin unsicher und mag mich dennoch nicht beugen, mit Knoten im Kopf.